Jet-Treibstoff aus Wolfsmilchgewächsen

Jatropha-Pflanze soll den CO2-Ausstoß der Airline-Industrie senken helfen, ohne negative Einflüsse auf die Nahrungsmittelproduktion zu haben.

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Anfang Dezember startete eine Boeing 747 der Air New Zealand zum ersten Mal mit einem neuartigen Flugbenzin, dessen Hauptkomponente aus Auszügen der Jatropha-Pflanze stammte. Es war keineswegs das erste Mal, dass ein Jet mit einem Biotreibstoff abhob – entsprechende Mischungen auf Soja- und Palmölbasis, die Kerosin ersetzen können, existieren bereits seit Längerem. Diese Produkte konkurrieren allerdings ähnlich wie der Biosprit Ethanol aus Mais stets mit der Nahrungsmittelproduktion, was zunehmend auf Kritik stößt. Denn: Was verfeuert wird, kann nicht für Lebensmittel verwendet werden, die Preise auf dem Weltmarkt zogen dementsprechend kräftig an.

Jatropha ist hingegen ein Wolfsmilchgewächs, das sonst nicht regulär angebaut wird. Der Biotreibstoff, der die CO2-Emissionen der Airline-Industrie deutlich senken soll, wurde von UOP entwickelt, einer Raffinerie-Tochter des Honeywell-Konzerns, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Sie sucht derzeit verstärkt nach neuen Märkten im Bereich der erneuerbaren Energien. UOP plant, die Technologie an Raffinerien zu lizenzieren, die sie leicht in bestehende Anlagen integrieren könnten, weil sie sich an der aktuellen Verarbeitungstechnik orientiert.

Nach der Demonstration des Prozesses im kleinen Maßstab hat UOP nun eine Pilotanlage entwickelt, die tausende US-Gallonen produzieren kann – genug für weitere Anwendungen in kommerziellen Verkehrsmaschinen. Firmenmanagerin Jennifer Holmgren sagt voraus, dass die Produktion in den Raffinerien schnell anwachsen wird und in fünf Jahren bei Milliarden US-Gallonen liegen dürfte. Bis dahin müssen allerdings erst genügend Jatropha-Kapazitäten geschaffen werden. Das Wolfsmilchgewächs erscheint UOP ideal für den Massenanbau: Erste Studien mit der Pflanze, die fast sechs Meter groß werden kann und 50 Jahre lang Früchte trägt, zeigen, dass sie selbst im schlechtesten Fall einen Output von mindestens 100 Gallonen Öl pro 0,4 Hektar liefert – deutlich mehr als bei Sojabohnen. Selbst den ertragreicheren Palmölbereich könnte man mit etwas Auslese übertrumpfen, glauben Landwirtschaftsexperten.

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(bsc)