Messmethoden für die Klimagas-Sequestrierung

In Kanada untersuchen Forscher, wie sicher das Pumpen von CO2 unter die Erde wirklich ist.

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Forscher glauben, dass es sich lohnen könnte, im Kampf gegen den Klimawandel Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus Industrieanlagen und Kraftwerken direkt unter die Erde zu pumpen. Diese sogenannte Sequestrierung, bei der das Klimagas unter anderem in wasserführenden Gesteinsschichten in 1000 Meter Tiefe gespeichert wird, ist allerdings eine Technologie, die noch immer nicht vollständig erprobt ist – so muss beispielsweise sichergestellt sein, dass sich keine Leckagen bilden können.

Erste detaillierte Antworten auf solche Fragestellungen sollen nun groß angelegte Untersuchungen an einer entsprechenden Anlage im kanadischen Bundesstaat Saskatchewan geben, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die bisherigen Erfahrungen sind demnach gut. "Wir konnten bereits recht deutlich zeigen, dass es möglich ist, CO2 mit Technologien zur seismischen Überwachung unter Kontrolle zu behalten", sagt Don White, Forscher bei der Geological Survey of Canada, die im November vorläufige Ergebnisse präsentierte. Bislang seien die Daten positiv.

Die Anlage am Standort Weyburn ist eine der bedeutendsten Plätze auf der Welt zur Untersuchung der CO2-Speicherung. Sie besteht aus zwei alten Ölfeldern, bei denen das Einpumpen des Klimagases dazu genutzt wird, die Produktion zu steigern. Auch eine CO2-Pipeline aus einer großen amerikanischen Gasfabrik, der Great Plains Synfuels Plant, kommt hier an. Weyburn hat bereits jetzt elf Millionen Tonnen CO2 unter die Erde gebracht, das entspricht drei Millionen Tonnen jährlich. Bei einem mittelgroßen Kohlekraftwerk fallen rund zwei Millionen Tonnen an.

Einmal unter der Erde angekommen, verbleibt das CO2 unter einer Felsgesteinsformation, die 1,5 Kilometer unterhalb der Oberfläche gelegen ist. Dort lagert es sich in Schichten aus porösem Kalkstein ab und ändert deren Zusammensetzung, was sich mit Hilfe seismischer Tests feststellen lässt. Die Forscher nutzen dazu kleinere Sprengladungen, um anschließend mit hochempfindlichen Messgeräten zu untersuchen, wie sich die Druckwellen der Explosion ausbreiten. Das sich daraus ergebende Bild zeigte klar, wie sich die CO2-Ablagerungen in einem Gebiet von rund 20 Quadratkilometern ausdehnten.

Genaue Messmethoden sind enorm wichtig, sagen Experten. "Niemand hat jemals 10 Millionen Tonnen CO2 für 50 Jahre unter die Erde gebracht", so John Bradshaw, Chef der Beratungsfirma Greenhouse Gas Storage Solutions. "Welche Modelle wir verwenden, wie wir die Technik in den Bereichen Grundwasser, Öl, Gas und CO2 regulieren wollen – all das müssen wir erst gemeinsam erarbeiten."

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(bsc)