Roboter-Bilderkennung ohne innere Landkarte
Das EU-Projekt "Decisions in Motion" hat ein visuelles System entwickelt, das eng an die Prozesse im menschlichen Hirn angelehnt ist.
Roboter können heutzutage schon viele erstaunliche Dinge. Dazu gehören auch das Sehen und das Navigieren durch den Raum. An die Perfektion des menschlichen Gesichtssinns reichen die bisherigen Technologien allerdings noch nicht heran. Einen wichtigen Schritt dorthin hat jetzt das EU-Forschungsprojekt "Decisions in Motion" geschafft, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe: einen Roboter, dessen Verarbeitung visueller Daten eng an die Vorgänge im menschlichen Gehirn angelehnt ist.
Der Roboter besteht aus einer Plattform mit Rädern zur Fortbewegung und einem beweglichen "Kopf", der mit zwei Kameras ausgestattet ist, die stereoskopisches, also räumliches Sehen ermöglichen. Mit ihnen erfasst der Roboter nicht nur seine Umgebung, sondern auch seine eigene Geschwindigkeit.
Die Verarbeitung der Daten unterscheidet sich jedoch völlig von dem Verfahren, das bislang in den meisten Robotern eingesetzt wird – etwa in den autonomen Autos bei der DARPA Urban Challenge. Diese arbeiten mit einer inneren Landkarte der Umgebung, einem so genannten Weltmodell, und aktualisieren darin anhand der einlaufenden Daten ihren eigenen Standort in Bezug auf Hindernisse und das zu erreichende Ziel. "Unser Ansatz baut auf der Informationsverarbeitung im visuellen Cortex in den Gehirnen von Primaten auf", beschreibt Mark Greenlee, Experimentalpsychologe an der Uni Regensburg und "Decisions in Motion"-Koordinator, den neuen Ansatz.
Das bedeutet: Der Roboter navigiert ohne jede innere Landkarte. Stattdessen werden mittels Software verschiedene Funktionen des Sehsystems nachgebildet, in die die visuellen Daten eingespeist werden. Sie erledigen dann die nötigen Aufgaben der Objekterkennung, der Geschwindigkeitsabschätzung, der Pfadplanung und der Entscheidungsfindung.
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(bsc)