Wirtschaft sucht qualifizierte Auszubildende
Einer Stichprobe des DIHK zufolge sind bundesweit noch mehrere tausend Ausbildungsplätze zu besetzen. In IT-Ausbildungsberufen sollen es noch über 500 Stellen sein. Die Industrie beklagt aber mangelnde Ausbildungsreife vieler Bewerber.
Im Zuge einer Blitzumfrage unter den regionalen Handwerkskammern hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHT) vor Beginn des Ausbildungsjahres im Herbst noch mehrere tausend freie Ausbildungsplätze aufgespürt. Vakanzen bestehen danach vor allem in Gastronomie-, Metall- und Büroberufen. Thilo Pahl, Referatsleiter beim DIHK, beklagt, dass qualifizierte Bewerber fehlten. Außerdem stürzten sich viele Jugendliche auf Modeberufe wie "Mediengestalter" und engten ihr Berufswahlspektrum zu sehr ein.
Eine Recherche in der zentralen Lehrstellenbörse der deutschen Industrie- und Handelskammern zeigt, dass dort zurzeit in den IT-Ausbildungsberufen bundesweit noch über 500 zu besetzende Stellen angezeigt sind. Diese Suchmaschine kann aber, so ergab eine Nachfrage von heise online, noch nicht alle Vakanzen auflisten.
Von Entwarnung auf dem Ausbildungsstellenmarkt könne keine Rede sein, solange noch hunderttausende Jugendliche aus den vergangenen Jahren auf einen Ausbildungsplatz warten, kommentierte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock am Montag in Berlin den Bericht des DIHK. Zwar gebe es aktuell einen Zuwachs an neuen Ausbildungsplätzen, dennoch solle die positive Entwicklung nicht überbewertet werden: Das bessere Verhältnis zwischen Ausbildungsplatzsuchenden und gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen sei vor allem auf die deutliche Abnahme der Bewerber zurückzuführen, die bei der Bundesagentur registriert seien. Nach Angaben der Bundesagentur vom Juni 2008 fehlten aber noch immer 145.900 betriebliche Ausbildungsstellen. Darum, betonte Sehrbrock, komme es darauf an, die 385.000 sogenannten Altbewerber zu versorgen, die in den vergangenen Jahren leer ausgegangen seien und noch immer auf einen qualifizierten Einstieg ins Berufsleben hofften.
Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, beklagte in einem Gespräch mit der Financial Times Deutschland, dass mehr als jedes zweite Unternehmen in der mangelnden Ausbildungsreife von Schulabgängern immer noch das mit Abstand wichtigste Ausbildungshemmnis sehe. 20 Prozent der Schulabgänger könnten laut Pisa-Studie nur auf Grundschulniveau rechnen und schreiben und seien damit nicht ausbildungsfähig. (fm)