Schlechte Noten für Innovationspotenzial deutscher Unternehmen

Bei der Umsetzung von Ideen in Produkte schöpft die deutsche Wirtschaft ihr Potenzial nicht aus. In der aktuellen Ausgabe zeigt Technology Review – unter anderem in einem Spiel, das gratis zum Download bereit liegt –, wo die Defizite und Chancen liegen.

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Bei der Umsetzung von Ideen in neue Produkte schöpft die deutsche Wirtschaft ihr Potenzial nicht aus, sagen Experten. In der aktuellen Ausgabe 11/07 (seit dem 25.10. am Kiosk oder hier portokostenfrei online zu bestellen) zeigt Technology Review im Rahmen eines 16 Seiten umfassenden Schwerpunktes zum Thema Innovationsmanagement auf, wo Defizite und Chancen liegen. Auf spielerische Weise zusammengefasst wird dieses Wissen in einem Spiel, das TR gratis zum Download anbietet.

Warum die Einführung neuer Produkte eine Quelle sprudelnder Gewinne ist, ist erstmals 1911 vom österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter erklärt worden: Unternehmer, die Neues schaffen, können eine Zeit lang legale Monopol-Gewinne einfahren, denn niemand kann ihnen mit einem vergleichbaren Angebot Konkurrenz machen. Im Jahr 1939 benutzte Schumpeter dafür erstmals den Begriff "Innovation". Heute gehört dieses Konzept zu den wichtigsten der Wirtschaftswelt.

Bernd Kriegesmann, Vorstand des Bochumer Instituts für angewandte Innovationsforschung (IAI), gesteht zwar ein, dass mit "außergewöhnlichen Innovationschancen immer auch die Möglichkeit des Scheiterns" einhergehe. Er will sich aber nicht damit abfinden, die "zum Teil dramatischen Flopraten" als "nicht zu vermeidende Fehlentwicklung" hinzunehmen, schreibt Kriegesmann als Mitautor der Studie "Big Ideas erkennen und Flops vermeiden".

Laut der Studie erreichen tatsächlich nur rund 13 Prozent aller Produktideen die Marktreife; von diesen wiederum wird nur die Hälfte ein Markterfolg. Nikolaus Franke, Professor für Entrepreneurship an den Wirtschaftsuni Wien, nennt noch dramatischere Zahlen: Bis zu 90 Prozent der begonnenen Innovationsprojekte würden vor der Markteinführung abgebrochen, von den überlebenden 10 Prozent seien bis zu 90 Prozent nach einem Jahr wieder vom Markt verschwunden.

Bei vielen Innovationsprojekten, haben Forscher herausgefunden, werden die Weichen von Anfang an falsch gestellt. Am "Fuzzy Front End", der frühen Phase der Ideengewinnung und -auswahl, herrscht regelmäßig ein Informationsdefizit. Das beginnt bereits bei der Gewinnung der richtigen Ideen. Eine nahe liegende Quelle dafür sind die eigenen Mitarbeiter. In vielen Unternehmen wurde dazu ein "Betriebliches Vorschlagswesen" (BVW) etabliert. Doch diese Ressource wird zu wenig genutzt, wie das Deutsche Institut für Betriebswirtschaft festgestellt hat: Es kommt nach einer Umfrage unter 315 deutschen Unternehmen zum Ergebnis, dass diese mehrere Milliarden Euro verschenken, weil sie die Ideen ihrer Mitarbeiter nicht ausreichend erfassen und umsetzen. (wst)