Microsoft kapert Googles Analystenparty

Googles Management war am Analysten-Tag ganz allein mit ausgewählten Analysten und Journalisten. Doch Microsoft war so präsent, als sei Steve Ballmer auf der Bühne.

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Die Chefs persönlich präsentierten am Analyst Day vor rund 300 Analysten und Investoren Googles Pläne für eine rosige Zukunft. Und doch sprachen gestern alle über Microsoft. Der große Rivale dürfte den 25. Oktober zur Bekanntgabe seiner Beteiligung an Facebook nicht zufällig gewählt haben. Googles anwesendes Top-Management – darunter CEO-Eric Schmidt, Gründer Sergey Brin und Tim Armstrong, der Gerüchten zufolge Googles Verhandlungen über eine Facebook-Beteiligung geführt haben soll – wollte Fragen dazu nicht beantworten.

Dass Microsoft den Hausherren auf dem eigenen Campus so die Show stehlen konnte, lag möglicherweise auch daran, dass Google zwar viel präsentierte, aber nicht viel Neues, und die wirklich heißen Themen elegant zu vermeiden suchte. Google Apps hat ein paar neue Features, Universal Search gibt es auch schon seit Mai und Google-Mail bekommt IMAP sowie ein in JavaScript komplett neu gecodetes Interface. Vint Cerf, "Chief Internet Evangelist", durfte sein interplanetares Internet vorführen.

Weiter erklärten die Google-Manager, dass sie zuversichtlich sind, für ihre umstrittene Übernahmen von DoubleClick eine Genehmigung der Kartellbehörden zu bekommen und warum sie sich an der Frequenzauktion im Januar beteiligen. "Das grundlegende Problem ist, dass wir auf dem US-Markt nicht genug Innovation haben, besonders im Hinblick auf den Mobilfunk", sagte Brin laut einem Bericht von CNET News. Zwar bedeute das nicht notwendigerweise, dass Google ein eigenes Netz aufbauen werde, doch "wir werden wahrscheinlich mitbieten". Die letzte Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Die nahe liegenden Fragen der Reporter (Google Phone? Facebook?) wurden nicht beantwortet. Zu Social Media und der verpassten Facebook-Chance verwiesen die Google-Chefs auf Orkut, das in Südamerika erfolgreiche Netwerk, und den Werbevertrag mit MySpace. "Der MySpace-Deal liegt über Plan", bekräftigte Schmidt. Google versorgt die Website exklusiv mit Werbung und garantiert dafür Einnahmen von mindestens 900 Millionen US-Dollar. Skeptische Analysten halten das für einen zu hohen Preis.

Schon warnen kritische Stimmen vor einer neuen New-Economy-Blase: Microsofts 240-Millionen-Engagement bei Facebook, das den Wert der Studenten-Community auf unglaubliche 15 Milliarden Dollar taxiert, ist Kritikern zufolge ebenso überbezahlt. Immerhin hatte eBay zuletzt sogar öffentlich zugegeben, für das Hype-Unternehmen Skype mit 3,3 Milliarden wohl doch etwas viel gezahlt zu haben. Vielleicht wurden auch wegen der Skeptiker die Journalisten zum Mittagessen von den Analysten getrennt, wie der Berichterstatter der New York Times bemerkt. (vbr)