Forscher entwickeln schonenden Defibrillator

Neue Technologie für Implantate soll mit deutlich geringeren Energien auskommen und dafür sorgen, dass ein Träger nicht mehr das Bewusstsein verlieren kann.

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"Wir verlieren ihn", brüllt einer der mit Kittel, Haube und Mundschutz vermummten Ärtzte, die um den OP-Tisch stehen, als der gefürchtete Dauerpiepton des EKGs einsetzt: Herzstillstand. Seit einer zur Ewigkeit gedehnten Sekunde zeigt der Bildschirm schon die gefürchtete Nulllinie. Dann greift ein beherzter Arzt zum Defibrillator, setzt die beiden bügeleisenartigen Geräte auf die Brust des um sein Leben ringenden - und jagt ihm einen gewaltigen Stromstoß in die Brust. Augenblicklich bäumt sich der Patient auf. Stille. Dann piept das EKG endlich wieder im Takt.

Ohne den spektakulär (und meist ebenso falsch) in Szene gesetzten elektrischen Lebensretter kommt heutzutage keine TV-Artzserie aus. Sehr angenehm ist der Vorgang, der etwa bei Kammerflimmern und Tachykardien angebracht ist, allerdings nicht: "Bis zu 5000 Volt und 20 Ampere fließen bei der Entladung eines Defibrillator-Kondensators durch den Körper", sagt Stefan Luther vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Zusammen mit seinem Institutskollegen Eberhard Bodenschatz und dem Physiker Valentin Krinsky vom Institut für Nichtlinearitäten in Nizza entwickelt der Wissenschaftler deshalb derzeit eine neue Defibrillator-Technik, die im Vergleich zu der beschriebenen Tortur geradezu grazil anmutet, meldet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Der neue Ansatz soll Geräte möglich machen, die mindestens 100 Mal weniger Energie benötigen als bisherige Modelle. Basis für diesen Energie-Vergleich sind implantierte Defibrillatoren, die ohnehin schon mit deutlich weniger Energie als ihre extern eingesetzten Gegenstücke auskommen, so die Wissenschaftler.

Moderne implantierbare Defibrillatoren sind durchaus in der Lage, das lebensgefährliche Kammerflimmern zu beenden, doch wird dies von den Patienten meist als ein kräftiger und unangenehmer Stoß in die Brust empfunden. Würden die Impulse so schwach sein, wie Luther und seine Kollegen es planen, käme das den Implantatsträgern ganz erheblich zugute. Denn trotz der schon heute im Vergleich zum klinischen Defibrillator niedrigeren Schock-Energien verlieren Träger von Implantaten in zehn Prozent der Fälle vorübergehend das Bewusstsein, dürfen deshalb insbesondere in der Anfangstragezeit etwa nicht Auto fahren. Der neue Defibrillator könnte das nun ändern.

Der ganze Beitrag in Technology Review online:

(bsc)