Sonne treibt Dampfturbinen
Bis 2013 sollen Solar-Wärmekraftanlagen mit insgesamt 6000 Megawatt entstehen.
Die Kraft der Sonne lässt sich auf verschiedene Arten nutzen – die bekannteste ist die direkte Umwandlung in Elektrizität mit Hilfe der Photovoltaik. Investoren und Energiekonzerne interessieren sich zunehmend aber auch für einen zweiten Ansatz: Wärmekraftanlagen auf Basis von Solarenergie, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Der Vorteil: Die Technik erweist sich insbesondere in sehr heißen Gegenden der Erde als kostengünstiger. In den USA folgt derzeit ein großer Deal auf den anderen. Im Februar kündigte der spanische Solarenergieentwickler Abengoa Solar zusammen mit dem Versorger Arizona Public Service aus Phoenix an, eine 280-Megawatt-Anlage in der sonnenreichen US-Region aufzubauen. Zum Vergleich: Die bislang größte Photovoltaikanlage der Welt generiert gerade einmal 20 Megawatt.
Eine Solar-Wärmekraftanlage nutzt Spiegel, um das Sonnenlicht auf eine wärmeleitende Flüssigkeit zu konzentrieren, die dann wiederum verwendet wird, um Wasser zum Kochen zu bringen. Das treibt schließlich reguläre Dampfturbinen an. Im letzten Jahr sammelten Spezialisten wie Abengoa, Ausra und Solel Solar Systems zweistellige Millionenbeträge an Investitionsmitteln und Lieferverträgen ein. Große US-Energieversorger wie Pacific Gas and Electric oder Florida Power and Light sind ganz vorne dabei. Bis 2013 sollen die aktuell in den USA und in Spanien in Entwicklung befindlichen Projekte fast 6000 Megawatt an zusätzlicher Leistung bringen – aktuell sind es weltweit gerade einmal 100 Megawatt, wie aus Zahlen des US-Beratungsunternehmens Emerging Energy Research hervorgeht.
Interessant an den Anlagen ist auch ihre Fähigkeit, Energie speichern zu können, um sie zu nutzen, wenn die Sonne einmal nicht scheint – dies ist in Form von Wärme wesentlich leichter möglich als in Form von elektrischer Energie. Dabei werden Tanks mit geschmolzenem Salz verwendet, die eine Temperatur von über 565 Grad Celsius halten. Gäbe es die Speicher nicht, müsste man Turbinen anschaffen, die groß genug sind, auch Spitzenlastwerte zu vertragen, die nur auftreten, wenn die Sonne am stärksten scheint. Den Rest des Tages wären diese Kapazitäten jedoch verschwendet. Dank der Speicher lassen sich nun aber Turbinen verwenden, die kleiner sind und stets mit konstanter Leistung laufen. Auch hiesige Firmen engagieren sich in dem Bereich: Die 50-Megawatt-Anlage, die das deutsche Unternehmen Solar Millennium im spanischen Granada baut, nutzt 28.500 Tonnen geschmolzenes Salz in Zwillingstanks, die einen Durchmesser von 38,5 Metern haben und gut 14 Meter hoch sind.
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(bsc)