Knochenarbeit
Die meisten Handys vertragen Stürze auf Steinböden oder große Temperaturschwankungen nur schlecht und stellen bei Wasserkontakt üblicherweise sofort ihre Funktion ein. Nicht so die robusten Outdoor-Telefone Samsung SGH-M110 und Sonim XP1.
Die meisten Handys vertragen Stürze auf Steinböden oder große Temperaturschwankungen nur schlecht und stellen bei Wasserkontakt üblicherweise sofort ihre Funktion ein. Nicht so die robusten Outdoor-Telefone Samsung SGH-M110 und Sonim XP1, deren IP-54-Zertifikat ihnen zudem eine Resistenz vor Spritzwasser und Staub bescheinigt.
Die Spezialisten für raue Umgebungen besitzen griffige, gummierte Gehäuse, die sicher in der Hand liegen. Am Gehäuse befestigte Gummiabdeckungen schützen die Anschlüsse der beiden Handys.
Die gut bedienbare Tastatur des Samsung SGH-M110 besteht aus einer Gummioberfläche, die einen Teil der Isolierung des gesamten Handys darstellt, erst in einer Nut der Gehäuse-Rückwand endet und so für eine gute Isolation sorgt. Sonim setzt beim XP1 dagegen auf eine normale Tastaturmatte, die eindringender Feuchtigkeit weniger entgegenzusetzen hat.
Das XP1 erfüllt laut Hersteller auch einige US-Militär-Spezifikationen. Sonim wirbt sogar mit der Unzerstörbarkeit ihres Outdoor-Handys und lieferte das Testmuster werbewirksam in einem Beutel mit feuchtem Sand und Nägeln. Die Feuchtigkeit bekam manchen Tasten allerdings nicht so gut: Sie reagierten erst nach mehrmaligem kräftigen Drücken und neigten zudem zum Prellen.
Beim kleinen Display des M110 fällt eine starke Winkelabhängigkeit auf, das größere und hellere Display des XP1 ist deutlich weniger abhängig vom Blickwinkel. Beide bleiben auch im Hellen lesbar. Während die Schutzscheibe des M110 Druckbelastungen vom Display gut fernhält, entstehen schon bei mäßigem Druck auf die Scheibe des XP1 LCD-typische Spannungs-Artefakte.
Harte Kerle
Unseren Tests zeigten sich beide Handys gut gewachsen: Sie überstanden eine Dusche unterm Wasserhahn und 30 Minuten in nassen Tüchern, 30 Minuten im 60 Grad heißen Backofen und Stürze aus mehreren Metern Höhe auf Asphaltböden. Beim Backofen-Test brauchte das Display des M110 eine Minute Abkühlzeit, um wieder etwas anzuzeigen, das Telefonieren klappte mit beiden Testgeräten sofort.
Bei den Falltests schaltete sich das XP1 manchmal ab und die Anschluss-Abdeckung öffnete sich – gefährlich bei der Landung in Pfützen. Das M110 verlor dabei die Gummiabdeckung einer Schraube. Außer Kratzern passierte den Telefonen nichts Ernstes. Beide Handys dürften damit etwa einen Sturz mit dem Fahrrad oder die Aufbewahrung in einer beim Joggen im Regen durchweichten Jackentasche ohne ernsthafte Schäden überstehen.
Sonim empfiehlt als Test für sein Military-Handy unter anderem das Überrollen mit einem LKW. Wir begnügten uns mit einem Kleinwagen, was das Display des XP1 jedoch nicht unbeschadet überstand. Die Telefonfunktionen beeinträchtigte der Gewalttest dennoch nicht. Nach einem abschließenden 30°-Test in der Waschmaschine und einer einige Tage währenden Trockenphase ließ sich das XP1 nicht mehr einschalten, beim Anschluss an das Ladegerät zeigte das Display jedoch immerhin noch an, dass das Handy geladen werde.
Beide Handys bieten die Funktionen einfacher GSM-Modelle; umfangreiche Organizer und MP3-Player fehlen. Beim Telefonieren mit dem Samsung M110 gefällt die klare Sprachqualität, auch beim Zuschalten der Freisprechfunktion. Das XP1 überträgt Sprache deutlich, aber etwas dumpfer. Beim Freisprechen störten den Gesprächspartner deutliche Verzerrungen.
Das M110 bietet nur ein einfaches Telefonbuch ohne Felder für Anschrift oder URL, versendet aber Multimedia-Nachrichten und knipst überstrahlte, mäßig scharfe Bilder mit einer VGA-Kamera ohne Videofunktion. Die per Tastendruck ein- und abschaltbare Fotoleuchte und das UKW-Radio sind etwa beim Campen nützliche Zugaben.
Das XP1, das von einem Philips 9@9r abstammt, ist noch spartanischer ausgestattet: So kennt es weder MMS noch E-Mails, die umständliche Texteingabe taugt trotz T9-Worterkennung nicht viel, das Telefonbuch sortiert Einträge nur nach Vornamen.
Zum Surfen besitzen beide nur einen einfachen WAP-Browser, der besonders beim Samsung nervt, da die zentrale OK-Taste ohne weitere Warnung eine kostenpflichtige Datenverbindung startet. Immerhin nutzen beide Telefone Bluetooth für den Kontakt zu Notebooks, doch fehlt dem M110 das für den Einsatz als Funkmodem nötige DUN-Profil, auch ein USB-Kabel fehlt. Hier punktet das XP1 mit stabilen Datenverbindungen via GPRS und Bluetooth und guten Durchsätzen.
Fazit
Beide Handys zeigen sich rauer Behandlung gewachsen, die normale Mobiltelefone in Elektroschrott verwandeln würde. Das Sonim XP1 besitzt zwar das stabilere Gehäuse, doch muss man das – relativ – empfindliche Display, die spartanische, nicht zeitgemäße Ausstattung und nicht zuletzt den hohen Preis als Minuspunkte werten.
Das Samsung SGH-M110 lockt dagegen mit einigen netten Zugaben und kann in puncto Robustheit gegen Stöße und Spritzwasser mit dem XP1 durchaus mithalten – und das zu weniger als der Hälfte des Preises. Zu bemängeln ist jedoch der nervige WAP-Browser und die fehlende Funkmodem-Funktion. (rop)
| Outdoor-Handys | ||
| Modell | SGH-M110 | XP1 |
| Hersteller | Samsung | Sonim |
| Lieferumfang (*1) | Ladegerät, Stereo-Headset, Schlüsselring, Handbuch | Ladegerät, Handbuch |
| Technische Daten | Handy-Galerie | Handy-Galerie |
| GPRS-Durchsatz (Empf., Senden) | - (*2) | 5,9 KByte/s, 2,8 KByte/s |
| Preis ohne Kartenvertrag | 160 EUR (UVP), 100 EUR (Straße) | 300 EUR (UVP), 240 EUR (Straße) |
| *1 kann je nach Anbieter variieren *2 DUN-Profil fehlt, kein USB-Kabel im Lieferumfang | ||
(ll)