Klein und fein

Man nehme eine möglichst kleine Tastatur und hängt ein genauso kleines Display dran - fertig ist das Sony VGN-P.

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Zwei Jahre ist es her, dass Intel Prototypen von mobilen Internet-Devices gezeigt hatte, den MIDs. Sie sollten den Internetzugang überall ermöglichen, aber auf aktueller x86-Technik aufbauen. Aus der Idee sind bisher nur wenige konkrete Produkte hervorgegangen, von denen eines Sonys VGN-UX1 war, doch es hatte eine unpraktische, Handy-ähnliche Knöpfchentastatur.

Das VGN-P hat Sony nun um die Tastatur herum entworfen und dazu die kleinstmögliche gewählt. Die Tasten liegen in einem 16,5 mm breiten und 16 mm hohen Raster, was für zügiges Schreiben eigentlich zu klein ist. Doch Sony nutzt eine neuartige, auch bei Asus und Apple zu sehende Bauweise, bei der die (13,5 mm × 13 mm großen) Tasten in drei Millimeter Abstand aus dem Gehäuse ragen. Das vermindert Vertipper, denn man trifft nicht gleich die benachbarte Taste, sondern hat Platz. Zehnfingerschreiber müssen die Finger also nur dichter zusammenhalten, brauchen aber nicht präziser zu tippen. Tatsächlich schreibt sich nach kurzer Eingewöhnung erstaunlich schnell und bald mit nahezu gewohnter Geschwindigkeit – Netbooks mit aneinanderliegenden Tasten benötigen dafür einen Millimeter größere Tasten, sodass die guten Tastaturen schon breiter sind als das ganze VGN-P.

Damit das Gehäuse nicht tiefer als die Tastatur wird, entfällt das Touchpad. In der Tastatur sitzt stattdessen ein Trackpoint, der tief genug eingelassen ist, um beim Tippen nicht zu stören. Er lässt sich exakt bedienen und gut konfigurieren. Ein kurzes Antippen mit dem Zeigefinger erzeugt einen Mausklick, was auch im hektischen Betrieb präzise funktionierte. Die Empfindlichkeit ist allerdings nur über einen kleinen Bereich regelbar, sodass man das "Press-to-Select" genannte Feature vielleicht lieber ausstellt und Mausklicks mit den gut erreichbaren Tasten an der Gerätevorderseite erzeugt. Die dritte Taste dazwischen aktiviert einen Scrollmodus. Weil die Tastatur nur 1,5 cm über der Tischplatte liegt, vermisst man eine Handballenablage nur selten.

Das Tastaturformat im Seitenverhältnis von 2,6:1 hat Sony dann doch nicht fürs Display übernommen, sondern ein etwas schmaleres eingebaut. Mit 1600 × 768 Punkten zeigt es dennoch das bisher breiteste Format von 2,08:1. Bei der Diagonale von acht Zoll entspricht das 225 dpi, der bislang höchsten Punktdichte in Notebook-Displays; üblich sind 100 bis 130 dpi, das bisherige Maximum von 170 dpi gilt schon als kaum lesbar. Tatsächlich müssen Anwender ohne übernatürliche Sehkraft das VGN-P dicht vors Gesicht halten oder die Darstellung aller Programme vergrößern, beispielsweise durch größere Schriftarten oder die Zoom-Funktion der Browser. Das Erhöhen der dpi-Einstellung von Windows hilft ebenfalls, führt aber in vielen Programmen zu abgeschnittenen Texten und anderen Darstellungsfehlern. Immerhin kann man die ClearType-Schriftglättung getrost ausschalten und Fotos in nie gesehener Schärfe bewundern. Nach längerem Herumkonfigurieren erweist sich die hohe Auflösung als akzeptabel und flexibler als die bestenfalls 1024 × 500 Punkte, die bei etwa 150 dpi aufs Display passen würden.

Weniger schön: Der Blickwinkelbereich ist ungewöhnlich eng und die Hintergrundbeleuchtung lässt sich nur in groben Schritten justieren. Die maximale Helligkeit geht in Ordnung, dürfte aber im Hinblick auf den avisierten Einsatz in sonnigen Lifestyle-Cafés ruhig deutlicher über 200 cd/m² liegen. Auf der Oberfläche entstehen trotz leichter Entspiegelung Reflexionen, und leider auch auf dem Plastikrahmen.

Drin sitzt Menlow, die Stromsparversion von Intels Atom-Plattform: Im von uns getesteten Einstiegsmodell für 1000 Euro erreicht der Prozessor 1,33 GHz, was nach mehr klingt als es ist, denn bei gleichem Takt arbeiten die Core-2-Prozessoren bis zu viermal so schnell. Der Grafikkern im Chipsatz wirkt schon mit der Nicht-Aero-Oberfläche von Vista leicht überfordert, an 3D-Spiele ist nicht zu denken. Die 60-GByte-Festplatte überträgt Daten nur zögerlich. Immerhin reißen die 2 GByte Hauptspeicher es wieder etwas raus. Die langsame Hardware spürt man bei fast jeder Gelegenheit, wobei genügsame Anwendungen wie Texteditor oder E-Mail-Client mit noch erträglicher Geschwindigkeit arbeiten. Schon das Surfen auf freizügig beflashten Seiten erfordert aber eine gewisse Geduld. Die Vorinstallation mit Virenwächter, ständig aufploppendem WLAN-Ortungstool und umfangreichem Multimediaserver frisst zusätzliche Performance.

Obwohl dem VGN-P bei niedriger Last und Zimmerhelligkeit 3,8 Watt reichen (Rekord!), geht ihm nach vier Stunden die Puste aus, weil der Standardakku nur 16 Wh fasst. Bei voller Helligkeit zieht das Display 1,3 Watt mehr: drei Stunden. Im Test waren WLAN und UMTS ausgeschaltet, sodass die Laufzeit in freier WWW-Bahn niedriger liegen wird. Immerhin ist für die paar Watt kein Lüfter notwendig, bei langwierigen Rechenaufgaben erhitzt sich die Geräteunterseite merklich, aber nicht unangenehm.

Sony bietet das Vaio P auch in einer Version für 1500 Euro an. In diesem Topmodell schlägt mit dem Atom Z530 (1,6 GHz) ein etwas schnelleres Herz, das wie sein 1,33-GHz-Pendant ein auf 2,2 Watt ausgelegtes Kühlsystem benötigt. Eine 128 GByte fassende Solid State Disk ersetzt die langsame 60-GByte-Festplatte, zusätzlich zum Standardakku wird ein Hochkapazitätsakku mitgeliefert. Setzt man die beiden Energiespender nacheinander ein, soll das Vaio P über acht Stunden ohne Steckdose durchhalten.

Außer zwei USB-Buchsen und einem Kopfhörerausgang hat das VGN-P keine Schnittstellen; zum Lieferumfang gehört eine Mini-Dockingstation mit VGA und LAN, die sich ans (übrigens äußerst kleine und leichte) Netzteil anknipsen lässt. Wichtiger: UMTS gehört zur Grundausstattung. Unserem Vorserienmodell lag eine SIM-Karte von T-Mobile bei, aber ein SIM-Lock besteht nicht. Schon das installierte Tool "everywair" kennt die Zugangsdaten zusätzlich von Vodafone, und eine SIM von E-Plus ließ sich mit dem ebenfalls installierten GlobeTrotter Connect nach Eingabe der UMTS-Zugangsdaten problemlos betreiben.

Sony hat ein bezauberndes Stückchen Technik gebaut, das eine bisher unerreichte Kombination aus Mobilität und Benutzbarkeit darstellt. Fast alle Kompromisse gehen auf: Ein noch kleineres Gehäuse würde keine für Vielschreiber geeignete Tastatur aufnehmen können. Schnellere Hardware aus Intels Core-2-ULV-Portfolio hätte den Formfaktor und Preisrahmen gesprengt, und mehr Bildschirmfläche passt erst mit zukünftigen Roll- oder Klappdisplays in so ein kleines Gehäuse.

Im Basismodell schränkt die geringe Akkulaufzeit den Aktionsradius ein – ärgerlich, denn als kleinstes und leichtestes Vaio-Notebook wäre es ansonsten für den Dauereinsatz perfekt geeignet. Die Festplatte kostet Performance und bietet zu wenig Platz für manche Anwendungsgebiete.

Mit zusätzlichen 500 Euro lassen sich diese beiden Schwachstellen beseitigen. Die gefühlte Performance unter Vista dürfte allerdings auch im Topmodell unter dem langsamen Grafikkern leiden. (jow)

Sony Vaio VGN-P11Z
Ultraleichtes Subnotebook mit UMTS
Betriebssystem Windows Vista Home Premium 32 Bit,
Spezifikationen Intel Atom Z520, 2 GByte DDR2-Speicher, 7,9-Zoll-Display (1600 × 768 Pixel, spiegelnd), Intel US15W, GMA 500, 60-GB-HDD, GBit-LAN, WLAN (802.11a/b/g/Draft-N), GlobeTrotter GTM382 MO40x (HSDPA 7,2, HSUPA 2, EDGE, GPRS), Bluetooth 2.0+EDR, Speicherkartenleser (SD, SDHC, MMC und MS Duo), VGA-Kamera
Anschlüsse USB, Kopfhörerausgang, Dockingstation
Gewicht / Größe 0,62 kg / 24,3 cm × 12 cm × 2,2 cm
Preis zirka 1000 EUR (mit 2 Jahren Garantie)

(ll)