Mit dem Handy ins Internet
Normale Internet-Inhalte sind fĂĽr Handys schon wegen der Datenmenge eigentlich gar nicht geeignet.
Telefonieren war gestern. Wenn es nach den Mobilfunkanbietern ginge, wĂĽrden ihre Kunden bereits heute munter im Web surfen, E-Mails verschicken und online einkaufen. Aber die wollen nicht so recht.
Normale Internet-Inhalte sind fĂĽr Handys schon wegen der Datenmenge eigentlich gar nicht geeignet. Bis zu drei Minuten Ladezeit sind fĂĽr eine groĂźe Internet-Seite notwendig. Und die kann dann auf dem Mini-Display des Handys gar nicht dargestellt werden.
Die Lösung heißt WAP: Das dafür verwendete WML-Protokoll (Wireless Markup Language) lehnt sich an das im Internet gängige HTML an. Es erlaubt das Einbetten von kleinen Grafiken, die allerdings nur schwarzweiß und mit geringer Auflösung. Die Größe pro WAP-Seite ist auf rund 10 Kilobyte limitiert. Selbst unter ungünstigen Umständen ist eine solche Mini-Seite auf dem Handy innerhalb höchstens zehn Sekunden geladen. Die Darstellung kann für die Anzeige des jeweiligen Handys optimiert werden.
Der Nachteil fĂĽr die Anbieter: Sie mĂĽssen ihre Internet-Seiten fĂĽr WAP anpassen. In der Regel muss der komplette Internet-Auftritt neu erstellt werden, zu umfangreiche Inhalte mĂĽssen entsprechend in kleinere Portionen unterteilt oder gekĂĽrzt werden. Bereits ein NachrichtenĂĽberblick mit Kurzmeldungen erstreckt sich in der Regel ĂĽber mehrere WAP-Seiten.
Der zusätzliche Aufwand für die Erstellung der Seiten hat zur Folge, dass das WAP-Angebot noch recht mickrig ist. Nur wenige Firmen, die im Internet präsent sind, unterhalten parallel dazu noch ein WAP-Angebot.
Das Spar-Internet fürs Handy kommt bei den Kunden nicht gut an. Die Netzbetreiber hüllen sich in Schweigen, sobald die Rede auf harte Zahlen zur WAP-Nutzung kommt. Der Fehlstart des mit viel Tamtam angekündigten Dienstes bestärkt die Zweifler, die das neue UMTS-Funknetz für ein totgeborenes Kind halten. Einer der Gründe für den fehlenden Erfolg sind die Kosten: Knapp 20 Cent pro Minute mussten die Kunden zu Beginn bezahlen. Die umständliche Navigation sorgt dafür, dass beispielsweise das Heraussuchen einer Telefonnummer per WAP selbst für flotte Tipper mindestens drei Minuten dauert. Die Handy-Kunden strafen den neuen Dienst mit Nichtbeachtung ab. Der nachgeschobene Datendienst GPRS, der für preiswertere Verbindungen sorgt, half dem Patienten WAP auch nicht auf die Beine, die meisten Handy-Kunden haben noch kein GPRS-fähiges Handy.
I-Mode soll die Rettung bringen
E-Plus versucht nun, dem Handy-Internet neues Leben einzuhauchen. I-Mode, in Japan der Renner, soll den Deutschen neue Lust aufs Internet per Handy machen. Rund 30 Millionen Kunden des Branchenriesen NTT DoCoMo spielen oder arbeiten mit I-Mode. Statt der im WAP verwendeten Programmiersprache WML wird in I-Mode cHTML verwendet, eine Spar-Variante des im Internet ĂĽblichen HTML. Das soll die Umstellung bestehender Angebote vereinfachen.
Die Gerätehersteller beurteilen die Marktchancen für I-Mode in Deutschland eher skeptisch, planen überwiegend, keine I-Mode-Geräte anzubieten. Auch die Konkurrenten von E-Plus lehnen sich gelassen zurück und warten ab, ob E-Plus mit I-Mode tatsächlich den angepeilten Erfolg hat. Falls I-Mode wider Erwarten von vielen Kunden genutzt wird, werden die großen Konkurrenten T-Mobil und Vodafone vermutlich auf den Zug aufspringen. Die technischen Grundlagen sind ohnehin vorhanden: WAP und I-Mode bedienen sich derselben Übertragungstechnik GPRS. Wenn der Dienst beim Kunden einschlägt, werden die Anbieter von I-Mode-Seiten auch die wesentlich zahlreicheren Kunden von T-Mobil und Vodafone gerne bedienen.
Handy-Kunden, die das Internet über die eingeschränkten Möglichkeiten von WAP und I-Mode hinaus nutzen wollen, benötigen in erster Linie zusätzliche Hardware. Im Internet gängige Dienste bewältigt zur Not auch ein Organizer, die optimale Lösung ist aber immer noch der Laptop. In Kombination mit dem schnellen Übertragungsstandard HSCSD lässt sich im GSM-Netz eine ähnliche Übertragungsgeschwindigkeit wie mit einem analogen Modem im Festnetz erzielen. Den schnellen und für große Datenmengen vergleichsweise preiswerten Zugang (20 Cent pro Minute) bieten derzeit freilich nur E-Plus und Vodafone an. Bei T-Mobil und Viag Interkom setzt man auf GPRS, das aber bei großen Datenmengen im Vergleich zu teuer ist.
WAP und Internet per Handy sind im Moment noch Nischenanwendungen. Hohe Preise, komplizierte Bedienung und ein geringer Nutzwert der Angebote stehen dem Erfolg noch im Weg. Die Anbieter lassen sich aber nicht beirren, halten an ihrem Kurs fest. Unkenrufe ertönten schließlich schon vor zehn Jahren - bei der Einführung des Handys als Massenprodukt. 10 Millionen Nutzer erschienen Kritikern damals illusorisch. Heute sind es über 50 Millionen. Wenn die Rechnung der Anbieter aufgeht, dann wird sich in einigen Jahren das mobile Internet ebenso fest etabliert haben wie heute das Handy. (ll)