Mobile Kommandozentrale
Der Albtraum eines jeden Administrators: Irgendwo am Strand rasch den vergessenen Sicherungsjob des heimischen Fileservers doch noch anstoĂźen!
- Jens MaĂźmann
Der Albtraum eines jeden Administrators: Irgendwo am Strand rasch den vergessenen Sicherungsjob des heimischen Fileservers doch noch anstoĂźen! Das geht - und zwar mit einem modernen Smartphone sogar grafisch gesteuert.
Eigentlich sollte ein beliebiger Internet-Browser schon zur Fernsteuerung ausreichen, denn wenn ein auf dem zu steuernden PC installierter VNC-Server auf dem vorgesehenen Port angesprochen wird (meist 5800), sendet er automatisch ein für die Fernsteuerung entwickeltes Java-Applet an den Client und man kann den Server aus der Browser-Umgebung fernsteuern. Vielen Handy-Browsern fehlt die Java-Unterstützung jedoch. Was der Browser nicht mitbringt, lässt sich per Java-Software nachwürzen.
Es gibt eine ganze Reihe an VNC-Derivaten für das Handy: ActiveViewer und InnoDesktop sind kommerzielle Programme, PalmVNC, Vidance und J2MEvnc sind OpenSource-Varianten). Zum Test wählten wir J2MEvnc, weil es frei erhältlich ist und am weitesten fortgeschritten scheint. Ursprünglich für das Sendo M570 entwickelt, läuft es auf diversen Geräten, etwa Handys wie dem Sony Ericsson T610 oder Smartphones wie RIM Blackberry, Motorola A830 aber auch Serie-60-Geräten von Nokia und anderen. Wir haben die Modelle Nokia 7650 und 6670 sowie Panasonic X700 eingesetzt, mit RealVNC 4.1 als Server.
Den VNC-Client lädt man am besten zunächst auf den PC und sendet ihn dann etwa per Bluetooth zum Smartphone. Dann installiert man das Jar-File wie üblich aus dem Eingangsordner. Geht alles glatt, haben sich auf dem Smartphone zwei VNC-Icons niedergelassen; about VNC enthält die Lizenzinformationen, VNC ist der Client.
Neben den üblichen Eingabefeldern für die Verbindungen (etwa Hostname oder Passwort) gibt es eine Kurzwahlfunktion, die voreingestellte Server auf Tastendruck anwählen kann, und einen Nokia Compatibility Mode, der einige Nokia-spezifische Probleme beseitigen soll; nach unserer Erfahrung ist es aber fast immer besser, NCM abgeschaltet zu lassen.
Nach dem Verbindungsaufbau präsentiert die Software einen winzigen Ausschnitt des Server-Bildschirms auf dem Smartphone-Display. Die Symbole rechts unten informieren über den Zustand der Verbindung.
Das Mode-Menü ist der Schlüssel zur weiteren Bedienung. Man kann den Fensterausschnitt per Joystick, Pfeiltasten oder Tastatur (2, 4, 6, 8) verschieben; die Schrittweite lässt sich ändern. Umgeschaltet auf Maus-Emulation kann der nur schwer erkennbare Cursor auf gleiche Weise bewegt werden. Drückt man auf die Ziffer 5 oder auf den Joystick, wird ein Mausklick ausgelöst, und für andere Eingabekommandos gibt es ähnliche, auch programmierbare Tastenkürzel. Dritter Modus ist der Textmode, bei dem man Buchstaben wie bei der SMS-Textkomposition eingibt. Sondertasten wie Shift oder Alt muss man wie beim großen VNC über das Optionsmenü auslösen.
J2MEvnc erscheint zunächst gewöhnungsbedürftig und wegen der niedrigen Bandbreite des Mobilfunks auch langsam, stellt sich aber nach ein wenig Üben als durchaus funktional heraus. Bei neueren Series-60-Geräten traten keine Probleme auf; Nokias Smartphone-Urvater, das Modell 7650, ließ sich jedoch nicht zum Scrollen des Fensters überreden. (dz) (ll)