Umsteiger

Nach dem iMac kommt nun das MacBook Pro mit völlig neuer Hardware-Architektur auf den Markt. Doppelkern und 2 GHz Prozessortakt versprechen der Mac-Gemeinde den mobilen Performance-Kick.

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Nach dem iMac kommt nun das MacBook Pro mit völlig neuer Hardware-Architektur auf den Markt. Doppelkern und 2 GHz Prozessortakt versprechen der Mac-Gemeinde den mobilen Performance-Kick.

Der Wunsch nach leistungsfähigeren und gleichzeitig energiesparenden Prozessoren trieb Apple von den Lieferanten Motorola und IBM zu Intel, denn beim G4 ging es nicht mehr voran und der G5 war einfach nicht in ein Notebook zu kriegen. Logisch, dass sich deshalb viele besondere Fortschritte vom MacBook Pro versprochen haben. Die ursprünglich geplanten Taktraten des Doppelkern-Prozessors hat Apple noch vor der Auslieferung um 166 MHz nach oben korrigiert: Die kleine Konfiguration (2100 Euro) mit 80-GByte-Platte und 128 MByte Video-RAM arbeitet nun mit 1,83 GHz, die 2600 Euro teure (von uns getestete) große Variante mit 100er-Platte und 256 MByte Bildspeicher bringt es auf 2 GHz. Damit liegen sie gleich auf mit den beiden Modellen des iMac Core Duo (siehe [1]).

Wie bei diesen ist Apple der Umstieg zu einer gänzlich anderen Hardware-Architektur auf den ersten Blick gut gelungen: das MacBook Pro steht optisch in einer Reihe mit den Aluminium-PowerBooks und lässt sich samt mitgelieferten Programmen bedienen wie vom Mac gewohnt. Und das, obwohl der Großteil der verwendeten Komponenten aus dem Wintel-Lager kommt: Neben dem Doppelkern-Prozessor stammt auch der Chipsatz von Intel, den Grafikchip Radeon Mobility X1600 liefert ATI. Die Platinenbestückung unterscheidet sich nur marginal von der im Intel-iMac.

Auffälligste Änderung gegenüber dem 15,2-Zoll-PowerBook ist der um 0,2 Zoll größere Bildschirm, der mit seiner für Notebooks optimalen Auflösung von 110 dpi 1440 x 900 Pixel im Seitenverhältnis 16:10 darstellt. Die gemessene maximale Helligkeit hat sich von 142 auf 206 Candela/m2 verbessert. Die Qualität erreicht für ein Notebook-Display guten Durchschnitt und leidet allgemein etwas an zu geringer Sättigung und zu großer Winkelabhängigkeit der Farben. Der Kontrast mit 560:1 und die Grauverläufe fallen hingegen gut aus.

iSight inside

Als weitere Änderung fällt die winzige iSight-Kamera über dem Bildschirm auf, die Bilder in üblicher Webcam-Qualität mit einer Größe von 640 x 480 Pixeln liefert und trotz der winzigen Optik und ohne Autofocus mit der ursprünglichen FireWire-iSight in etwa mithalten kann. Das TrackPad, das bei Einsatz von zwei Fingern eine Scrollfunktion bietet, ist jetzt um ein Drittel breiter. Darunter findet sich nun ein Infrarot-Sensor für die mitgelieferte Fernbedienung, mit der man via Front-Row-Oberfläche Musik, Diashows und die DVD-Wiedergabe steuern kann. Ebenfalls neu ist der magnetische Stecker (MagSafe) für das Stromkabel, der bei Zug sofort aus der Arretierung springt, ohne das ganze MacBook vom Tisch zu reißen. Anstelle des leuchtenden Rings zeigt jetzt eine kleine LED am Stecker den Ladezustand in Grün, Orange und Rot an. Kabel und Netzteil sind erheblich voluminöser als bisher, da der Power-Adapter nun 85 statt 65 Watt abgibt. Der Akku fasst 60 Wh Ladung und hielt im Test für 2,5 Stunden DVD-Genuss mit (wie immer bei unseren Messungen) reduzierter Bildhelligkeit von 100 Candela/m2. Er wird sehr warm, sitzt jedoch in der Mitte des Gehäuses, sodass man sich die Knie nicht verbrennt, wenn man sie links und rechts davon positioniert.

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Der Kontrast zeigte sich beim neuen 15,4"-Display als wenig winkelabhängig. Vergrößern

Premiere bei Apple feiert der ExpressCard/34-Steckplatz an der linken Seite, dessen potenzieller Durchsatz den von PC-Cards und CardBus-Modulen dank interner PCI-Express-Anbindung weit übersteigt. Eine FireWire-800-Karte dafür konnten wir noch nicht auftreiben – die hätten wir gerne im Zusammenspiel mit einer externen Festplatte getestet, denn Apple bietet diese Schnittstelle anders als im PowerBook nicht mehr an. Die interne 100-GByte-Platte stammte in unserem Testgerät von Fujitsu und konnte etwas über 30 MByte pro Sekunden schreiben oder lesen – kein Spitzenwert.

Das MacBook Pro ist mit 2,59 Zentimetern genauso flach wie das 17"-PowerBook. Vermutlich aus diesem Grund konnte Apple mit dem Matsushita UJ-857 nur ein Ultra-Slim-Line-Slot-in-Laufwerk einbauen, das keine Double-Layer-Rohlinge beschreibt und auch herkömmliche DVDs nicht eben flott brennt.

Wie der iMac konnte auch das MacBook Pro mit bereits für X86-Prozessoren kompilierter Software gute Leistungen zeigen. Bei CPU-lastigen Benchmarks wie dem iMovie-Filter "Filmbeschädigung" oder dem Rendering von Cinebench schaffte es denn auch fast die gleichen Werte wie dieser. Kommt allerdings wie beim MP3-Kodieren mit iTunes und beim Song-Abspielen mit GarageBand die Festplatte mit ins Spiel, fällt der Mobilrechner deutlich ab – die 3,5-Zoll-Platte im iMac ist fast doppelt so schnell. Auch bei Messungen mit Grafikbeteiligung schnitt der iMac zum Teil besser ab, hier zwingt offenbar die Hitzeentwicklung zur Drosselung der GPU-Komponenten.

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Netzteil und Kabel des MacBook Pro sind dicker geworden, der magnetische Stecker löst sich bei plötzlichem Zug.Vergrößern

Gegenüber dem von uns noch einmal zu Vergleichszwecken mitgetesteten 15,2"-PowerBook mit 1,67 GHz zeigte sich erneut die äußerst schwache Performance des (bereits nativen!) QuickTime für Intel-Macs: Das ältere Gerät war mehr als doppelt so schnell beim Umkodieren von DV-Material in MPEG-4. Dafür konnte das MacBook Pro beim Rendern bereits mit einem Prozessorkern den Vorgänger mit G4-CPU um 100 Prozent überbieten, im Doppelkern-Einsatz schaffte es sogar 250 Prozent mehr. Bei den übrigen Test-Programmen bewegt sich der Vorsprung zwischen 50 und 66 Prozent. Reine PowerPC-Programme wie Photoshop, FileMaker und Word, die von Rosetta während der Laufzeit in X86-Code übersetzt werden, erreichten im Durchschnitt etwa zwei Drittel der Leistung des G4-PowerBook.

Da während des ganzen Tests nicht einmal ein Lüfter des MacBook Pro ansprang, ist der neue Doppelkern-Prozessor trotz verdreifachtem Leistungspotenzial thermisch offenbar nicht schlechter zu bändigen. Arbeitsgeräusche nimmt man eigentlich nur vom DVD-Laufwerk wahr. Die Messwerte vom analogen Sound fallen für ein Notebook sehr gut aus, besonders der Rauschabstand von 100 dB(A) und die ähnlich hohe Dynamik stachen positiv hervor. Die auf dieselben zwei Buchsen gelegten digital-optischen Aus- und Eingänge funktionierten problemlos.

Fazit

Die MacBook-Hardware mit dem pfiffigen Stromstecker und dem hellen Display ist gut gelungen und macht optisch etwas her. Eine Leistungssteigerung bis zum Faktor 3,5 bei gleicher Akku-Laufzeit und einem extrem flachen Gehäuse machen nachvollziehbar, weshalb Apple vom G4 auf den Core Duo gewechselt ist und dürften dem MacBook Pro eine enorme Nachfrage bescheren – vorausgesetzt, das Angebot an nativer Software wächst rasch. Derzeit fehlen wichtige Programme noch, sodass MacBook-Käufer zunächst entweder mit Apples mitgelieferten Programmen oder eben reduzierter Leistung vorlieb nehmen müssen. (jes)

Literatur
[1] Johannes Schuster, Der Erste seiner Art, Apples iMac mit Intel Core Duo 2,0 GHz, c't 4/06, S. 82


MacBook Pro Core Duo 2,0 GHz
HerstellerApple
ProzessorIntel Core Duo, 2,0 GHz, 2 MByte gemeinsamer L2-Cache
Arbeitsspeicher1 GByte DDR2-667/PC2-5300 (2 GByte max. in 2 SO-Dimm-Slots)
Laufwerke100 GByte SATA-Festplatte, 4X-DVD-Brenner
GrafikATI Radeon X1600 (ATI M56-D) mit 256 MByte GDDR3-Speicher (PCIe)
Display15,4 Zoll LCD mit 1440x900 Pixeln (16:10), maximale Helligkeit 174 bis 206 Candela/m2
AnschlĂĽsseAudio analog In und Out, digital In und Out (optisch), FireWire 400, 2x USB 2.0, DVI-Out, Gigabit-Ethernet, 802.11g-WLAN, Bluetooth 2.0 EDR+, Express Card/34-Slot
Größe (B × T × H) und Gewicht357 mm × 243 mm × 259 mm, 2,54 kg
Preis2600 EUR

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