Brennstoffzellen-Autos mit großer Reichweite

Toyota und Honda stellen Prototypen und verkaufsreife Modelle vor.

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Auf der noch bis zum 11. November im japanischen Chiba City laufenden Tokyo Motor Show dreht sich alles um die Zukunft der Fortbewegung auf vier (und ab und an auch zwei) Rädern. Eines der Kernthemen der ähnlich der diesjährigen IAA zunehmend "grünen" Auto- und Verkehrstechnik-Messe ist die Frage, welche Antriebstechnologie angesichts des fortschreitenden Klimawandels zukünftig die ideale ist. Neben der längst serienreifen Hybrid-Technik, bei der die japanischen Hersteller marktführend sind, versuchen sich die Autokonzerne nach wie vor an wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellenmotoren – und die machen zunehmend Fortschritte.

So präsentiert Toyota auf der Messe einen Weltrekord: Ein Brennstoffzellen-Geländewagen, der mit einer Tankladung die etwa 500 Kilometer lange Strecke von Osaka nach Tokio zurückgelegt hat. "Der Wasserstofftank war bei der Ankunft zu unserer Überraschung noch zu 30 Prozent voll, wir hätten sogar 880 Kilometer geschafft", sagte Chefenginieur Yoshimasa Ishiguro im Gespräch mit dem Technologiemagazin Technology Review. Im Normalbetrieb würde die Reichweite nach dem japanischen "10/15"-Standard 780 Kilometer schaffen. Das Vorgängermodell, das Toyota bereits verleast, schafft nur 330 Kilometer mit einer Wasserstofffüllung.

Drei Neuerungen sind für den Fortschritt verantwortlich. Erstens wurde die Speicherkapazität des Tanks verbessert – eine Füllung mit 156 Litern Wasserstoff wird nicht wie bisher üblich mit 35 Megapascal, sondern mit 70 Megapascal in die vier Tanks des Geländewagens gepresst. Zweitens wurde das Zusammenspiel des gesamten Antriebssystems aus Batterie, Brennstoffzelle und Elektromotor verbessert. Und drittens hat Toyota die Effizienz der Brennstoffzelle selbst erneuert: Sie wurde um 25 Prozent erhöht und die Betriebsfähigkeit bei frostigen Temperaturen, einst ein Problem der Brennstoffzellen, verbessert.

In den kommenden Jahren wollen die Ingenieure noch die letzten technischen Hürden überspringen – die Zuverlässigkeit und die Kosten. Das Zwischenziel von fünf bis sieben Jahren Haltbarkeit habe man erreicht. Aber das Ziel sei, zehn Jahre Betrieb garantieren zu können, sagt Ishiguro. Und die Kosten müssten auf ein Hundertstel sinken, um Brennstoffzellen vermarkten zu können. Undenkbar ist das für Ishiguro aber nicht mehr. Damit bleibt noch als größtes Problem die Wasserstoffproduktion, die in Japan bisher Stahlwerke leisten – und die Tankstelleninfrastruktur.

Honda präsentiert in Tokio ebenfalls Neuerungen in Sachen Brennstoffzelle – das erste kommerzielle Fahrzeug des Anbieters, den FCX, der ab 2008 verkauft werden soll. Allerdings werde der Kaufpreis ein Vielfaches von Hondas Spitzenmodell Legend betragen, für den der Konzern in Deutschland laut Listenpreis 56.000 Euro verlangt, sagte Chefentwickler Sachito Fujimoto. Im US-Stadtmodus schafft der FCX 570 Kilometer mit einer Füllung von 171 Litern Wasserstoff. Der Druck im Tank beträgt 35 Megapascal. Ein Massenhit wird das extrem windschnittig designte Geschoss nicht, gesteht Fujimoto zu: "Aber wir müssen das Angebot schrittweise vergrößern." So hat Honda mit Toyota 2002 das Leasing von Wasserstoff-Fahrzeugen begonnen und will nun durch den Verkauf Erfahrungen und Markenimage gewinnen. Fujimotos Traum: "In zehn Jahren will ich mir selber einen leisten können."

Mehr technische Neuerungen von der Tokyo Motor Show im ausführlichen Messebericht in Technology Review online:

Zur Tokyo Motor Show siehe auch in heise Autos:

  • Die deutschen Hersteller
  • Die Serien-Neuheiten
  • Die Studien

(bsc)