US-Mobilfunkgeschäft im Wandel
Der Niedergang des High-End-Netzbetreibers Helio zeigt, dass der Boom bei neuen Mobilfunkeranbietern zu Ende geht.
Es klang alles so schön bei Helio: Das amerikanische Mobilfunk-Start-up wollte sich als virtueller Netzbetreiber mit besonders eleganten Endgeräten und neuartigen Multimedia-Diensten etablieren. Stattdessen aber wurde das Unternehmen nun für einen Bruchteil des Geldes verkauft, das zuvor Investoren hineingesteckt hatten. Helio ist zu einem weiteren Symbol dafür geworden, wie schwierig das amerikanische Mobilfunkgeschäft für Neueinsteiger ist, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. "Wenn man sich den Sektor in seiner ganzen Breite ansieht, hat er sich insgesamt als Geldvernichtungsmaschine für Investoren erwiesen", meint William Frezza, General Partner beim Risikokapitalunternehmen Adams Capital Management in Boston.
Trotz der gigantischen 710 Millionen Dollar, die Helios insgesamt zuflossen, konnte das Unternehmen nur schlappe 170.000 Kunden gewinnen. Riesige Verluste waren die Folge. Das Problem war dabei keineswegs ein Mangel an Innovationen. Der Helio-Start im Mai 2006 beinhaltete zwei völlig neue Ideen im US-Markt für virtuelle Netzbetreiber, also Firmen, die ihre Mobilfunkinfrastruktur von anderen mieten: Helios bot High-End-Handys mit speziellen Diensten wie der direkten Integration von populären Internet-Angeboten wie MySpace und YouTube an und ergänzte das Alles dann durch die Möglichkeit, mit den Telefonen gleich direkt kleine Beträge zu bezahlen.
Im Gegensatz zu anderen virtuellen Netzbetreibern (MVNOs) ging Helio zudem nicht in eine unterversorgte Nische hinein, sondern besorgte sich Frequenzen im Netz des großen US-Mobilfunkanbieters Sprint. Die Zielgruppe war also der Mainstream: Junge Leute mit genügend Geld. Helio hatte neben den Risikokapitalinvestoren dabei noch zwei große Unterstützer: Earthlink, einen erfolgreichen US-Internet Provider, sowie SK Telecom, einen südkoreanischen Telekommunikationsriesen. Chef von Helio war wiederum Sky Dayton, der bei Earthlink einst als Wunderkind galt. Der Hype war groß. Helio begab sich in einen Markt, der sich mitten in einer Spekulationsblase befand: Weniger als ein Jahr zuvor gab sich selbst der Rapper Sean "Diddy" Combs auf der wichtigsten Branchenmesse CTIA die Ehre und erklärte, er sei jetzt künftig "ein MVNO".
Einer der wenigen virtuellen Netzbetreiber, die in den USA signifikanten Erfolg haben, ist Virgin Mobile USA, das sich Helio nun für knapp unter 50 Millionen einverleibte – 39 Millionen davon in Aktien und nur rund 10 Millionen als Schuldenübernahme. Helio selbst ist damit also noch nicht tot: Virgin Mobile will seine Dienste weiter anbieten. Beobachter glauben aber, dass der für die Investoren leidlich schlechte Deal zeigt, dass die US-Kundschaft weniger bereit ist, High-End-Handys von Anbietern zu kaufen, die selbst nicht über ihr eigenes Netz verfügen. "Ein Kapitel für diesen Markt wird gerade zu Ende geschrieben, und wir stehen kurz davor, dass ein neues beginnt", meint Chetan Sharma, Präsident des Marktforschungsunternehmens Sharma Consulting. Helio allein habe mindestens eine Million Kunden gebraucht, um profitabel zu werden.
Die ganze Analyse zum US-Mobilfunkmarkt in Technology Review online:
(bsc)