Alcatel-Lucent weiter in den roten Zahlen

Gegen rote Zahlen will Patricia Russo, Chefin des französisch-amerikanischen Netzwerkausrüsters, nicht nur mit weiteren Entlassungen, sondern auch mit Änderungen im Management und in der Konzernstruktur vorgehen.

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Von
  • JĂĽrgen Kuri

Der angeschlagene Netzwerk- und Carrier-Ausrüster Alcatel-Lucent, der im Rahmen seiner Bilanzvorlage gerade den Abbau von 4000 weiteren Stellen ankündigte, schreibt auch im dritten Quartal seines Geschäftsjahrs rote Zahlen. Der Nettoverlust lag bei 258 Millionen Euro (11 Cent pro Aktie). Im gleichen Quartal des Vorjahrs (für das Alcatel-Lucent Pro-forma-Werte angibt, da der Zusammenschluss der Konzerne Alcatel und Lucent noch nicht abgeschlossen war) hätte das fusionierte Unternehmen einen Nettogewinn von 532 Millionen Euro verzeichnet.

Der Umsatz bei Alcatel-Lucent ging von 4,9 auf 4,35 Milliarden Euro zurück. Der operative Gewinn lag bei 70 Millionen Euro nach 430 Millionen Euro im gleichen Vorjahresquartal. Mitte September hatte Alcatel-Lucent nach Ausgabe einer Gewinnwarnung noch prognostiziert, operativ werde man gerade so den Break-even erreichen oder etwas darüberliegen. Konzernchefin Patricia Russo, die ihre Position auf der Aufsichtsratssitzung am gestrigen Dienstag offensichtlich erst einmal festigen konnte, erklärte, die Ergebnisse entsprächen den korrigierten Prognosen oder seien sogar etwas besser – zufrieden könne man damit aber nicht sein.

Im Geschäft mit Unternehmensnetzen konnte Alcatel-Lucent den Umsatz um 8 Prozent steigern. Mit Carriern ging der Umsatz von Alcatel-Lucent um 12 Prozent zurück, wobei der Umsatz mit Festnetzinfrastruktur um 8 Prozent stieg, während der Umsatz mit Ausrüstungen für Mobilfunknetze um 20 Prozent zurückging. Anscheinend hat Alcatel-Lucent hier vergleichbare Probleme wie Ericsson: Der schwedische Netzwerkausrüster hatte Mitte Oktober einen Gewinnrückgang für das dritte Quartal bekannt gegeben und dies unter anderem mit schlechter als erwartet laufenden Geschäften bei Erweiterungen bestehender Netzwerke begründet. Gerade in diesem Bereich aber sind die Gewinnmargen besonders hoch. Bei der Installation neuer Netzwerke tobt dagegen ein heftiger Konkurrenzkampf, da die Auftragsvergabe für neue Infrastruktur eines Fest- oder Mobilfunknetzes als Basis für künftige lukrative Geschäfte bei Wartung, Aufrüstung und Ausbau des jeweiligen Netzes gesehen wird. Dieser harte Wettbewerb drückt die Preise und die Gewinne der Ausrüster bei Neuinstallationen.

Firmenchefin Russo kündigte aber nicht nur neue Verluste und den Abbau von weiteren Arbeitsplätzen an, sondern auch einige Änderungen im Management. Jean-Pascal Beaufret, bislang Chief Financial Officer (CFO) bei Alcatel-Lucent, verlässt die Firma, um sich "neuen Aufgaben zu widmen". Er wird ersetzt durch Hubert de Pesquidoux, der bislang das Geschäft mit Firmennetzen bei Alcatel-Lucent leitete. Außerdem soll ein siebenköpfiges Management-Team, das Russo direkt unterstellt ist, die täglichen Geschäfte des Netzausrüsters leiten und steuern. Zudem soll das Management durch zwei regionale Ebenen konzentriert werden: Eine Verwaltungseinheit ist für den amerikanischen Raum (Nord-, Mittel- und Südamerika) zuständig, die andere für die Geschäfte in Asien, dem pazifischen Raum, Europa, Afrika und dem Nahen Osten. (jk)