Vom Nager zum Touchscreen
40 Jahre nach der Maus konzentrieren sich Forscher vermehrt auf berührungsempfindliche Displays.
Anfang Dezember feierte die gute, alte Computermaus einen runden Geburtstag: Vier Jahrzehnte ist es inzwischen her, dass der Ingenieur Doug Engelbart vom Stanford Research Institute auf einer Konferenz in San Francisco das Zeigegerät vorführte, mit dem Computer noch heute standardmäßig bedient werden. Das Technologiemagazin Technology Review nimmt das Jubiläum zum Anlass, in seiner Online-Ausgabe über aktuelle Entwicklungen bei den Bedienschnittstellen zu berichten, die sich in den letzten Jahren vermehrt um berührungsempfindliche Bildschirme drehen.
Ein Projekt namens "nanoTouch", das derzeit bei Microsoft Research vorangetrieben wird, will das Problem zu kleiner Touchscreens lösen, indem die Berührungsempfindlichkeit einfach auf die Rückseite des Bildschirms verlagert wird. Patrick Baudisch und seine Kollegen haben Prototypen von der Größe eines kleinen MP3-Spielers bis hin zu einer Uhr oder einem Anhänger geschaffen, bei denen die Vorderseite komplett als Display dient.
Um die Rückseite der Gadgets berührungsempfindlich zu machen, ergänzten die Forscher eine kapazitive Oberfläche, wie man sie von Laptop-Touchpads her kennt. In einer Demonstration zeigt das Team, wie ein Nutzer einen First-Person-Shooter auf einem Bildschirm von der Größe einer Kreditkarte spielen konnten, ohne dass das sonderlich unbequem erschien. Eine weitere Demoanwendung nutzt ein halbtransparentes Abbild des Fingers zur Koordinierung der Berührungen. Auch wenn nur ein transparenter Finger oder ein Cursor auf dem Bildschirm zu sehen ist, lasse sich das Gerät stets verlässlich bedienen, sagt Baudisch, der neben seiner Arbeit bei Microsoft Research als Professor am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam wirkt.
Jeff Han, Gründer des Start-ups Perceptive Pixel aus New York, hält Baudischs Konzepte für eindrucksvoll. Er selbst interessiert sich allerdings stärker für berührungsempfindliche Großbildschirme. Darin hat er bereits einige Erfolge vorzuweisen: Han hat Bildschirme in der Größe ganzer Wände an verschiedene US-Regierungsstellen und an mehrere Fernsehsender verkauft. So konnte man die Technik etwa bei Nachrichtenkanälen während der amerikanischen Präsidentschaftswahl im November sehen, wo Moderatoren sie nutzten, um die Ergebnisse interaktiv zu verdeutlichen.
Die gesamte Analyse zu neuen Bedienoberflächen in Technology Review online:
(bsc)