Baubranche als großer CO2-Sparer
Ein kanadisches Unternehmen will das Klimagas bei der Betonherstellung einsetzen und so unschädlich machen.
Eine kanadische Firma hat eine Technologie entwickelt, mit der Unternehmen, die Betonfertigteile herstellen, ihre CO2-Emissionen deutlich reduzieren können. Dazu wird kohlendioxidreiches Rauchgas während des Abbindeprozesses verwendet, das aus den eigenen Produktionsanlagen oder von Kraftwerken kommen kann, die den Klimakiller sonst einfach in die Luft pusten würden. Industrieexperten sagen zwar, dass die Technologie bis jetzt noch weitgehend unbewiesen sei. Sollte sie aber funktionieren, hätte sie vermutlich sichtbare Auswirkungen auf die Baubranche und den Klimaschutz, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Die Betonproduktion sorgt derzeit für mehr als fünf Prozent der vom Menschen verursachten Kohlendioxidemissionen im Jahr. Der Grund: Zement, die aktive Zutat in dem Baustoff, wird durch das Verbacken von Kalkstein und Lehmpulvern bei großer Hitze hergestellt – und diese Hitze wird zumeist mit Hilfe fossiler Brennstoffe erzeugt. Die Herstellung fertiger Betonprodukte, bei denen Zement mit Wasser, Sand und Kies gemischt wird, sorgt für weitere Emissionen, weil zum Abbinden oft Hitze und Dampf verwendet werden müssen, um den Prozess zu beschleunigen.
Robert Niven, Gründer von Carbon Sense Solutions aus Halifax, sagt nun, dass der von seiner Firma entwickelte Prozess sogar Betonfertigteilen das Speichern von Kohlendioxid erlauben könnte. Das Unternehmen verstärkt dabei einen schon regulär ablaufenden Prozess: Kohlendioxid in der Luft wird bereits jetzt in einer natürlichen chemischen Reaktion durch Betonprodukte aufgenommen. Das Gas durchdringt allerdings normalerweise nur ein bis zwei Millimeter der Betonoberfläche und bildet dann eine harte Kruste, die eine weitere Absorbierung verhindert.
Die Arbeit an einer Pilotanlage soll noch in diesem Sommer im kanadischen Bundesstaat Nova Scotia beginnen; erste Ergebnisse sind laut Carbon Sense Solutions bis Ende des Jahres zu erwarten. Sollte die Technik wie geplant funktionieren, besitzt sie das Potenzial, 20 Prozent der in der Zementindustrie anfallenden Kohlendioxidmenge einer Sequestrierung zuzuführen – oder Emissionen schlicht ganz zu vermeiden. "Wenn die Technologie so kommerzialisiert werden kann wie wir das planen, wird sie die Betonherstellung revolutionieren und hunderte Megatonnen Kohlendioxid im Jahr unschädlich machen. Dabei erhalten die Hersteller ein billigeres, grüneres und insgesamt besseres Produkt", schwärmt Niven. 60 Tonnen Kohlendioxid sollen in 1000 Tonnen Beton speichern lassen. Carbon Sense Solutions sagt außerdem, dass das Endprodukt durch die Kohlendioxidzugabe eine höhere Qualität habe.
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(bsc)