Päckchen von Drüben
Kommt man eigentlich auch auf die Terrorliste, wenn man sich elektronische Bauteile aus den USA schicken lässt? Wir werden sehen...
Kommt man eigentlich auch auf die Terrorliste, wenn man sich elektronische Bauteile aus den USA schicken lässt? Wir werden sehen...
Im Ernst: Ich rechne nicht wirklich damit, dass demnächst die Jungs mit den schwarzen Anzügen und den Sonnenbrillen vor der Tür stehen. Aber nachdem die US-Geheimdienste sogar die Brief- und Paketpost fotografieren lassen, macht man sich so seine Gedanken.
Manchmal allerdings erst hinterher. So wie gestern. Da habe ich bei einem US-Onlineshop ein mechanisches Zeitrelais bestellt. 0,5 bis 5 Minuten Schaltzeit, 250 Volt Wechselspannung, schaltet Ströme bis drei Ampere - wird gefertigt von „Faucigny Instruments“ und trägt die Typenbezeichnung MI3.
Warum tue ich sowas? Na ja, der Drehknopf meiner Kaffeemühle ist kaputt gegangen. Vielleicht ein Fall von geplanter Obsoleszenz, vielleicht ein Montagsteil, vielleicht waren wir auch einfach nur ein bisschen grobmotorisch. Allerdings sehr ärgerlich. Die Mühle besitzt ein keramisches Kegelmahlwerk, das den morgendlichen Kaffee angeblich besonders aromaschonend zerlegt. Ich habe keinen echten Vergleichstest gemacht, aber mit dem Ergebnis war ich recht zufrieden.
Jedenfalls, bis das Drehrad vermackelt war, mit dem man die zu mahlende Menge an Pulver festlegt. Drehrad abziehen, und der Schaden wird sofort klar: Der kleine Plastikstift, auf dem das Rädchen sitzt, ist abgebrochen. Kann man den Schalter ersetzen? Eine neue Mühle jedenfalls würde 90 Euro kosten.
Nach kurzer Internet-Suche finde ich eine Video-Anleitung zur Demontage der Mühle. Kurze Zeit später halte ich den zugehörigen Schalter in der Hand. Echt bombig dieses Internet. Zum Glück sind hinten drauf jede Menge Infos geprägt.
Meine Hoffnungen, das Ding einfach beim nächsten Elektronik-Versender bestellen zu können, schmelzen allerdings ziemlich schnell dahin. Das ist nicht einfach nur ein Drehschalter. Das ist ein mechanisches Zeitrelais - so eine Art Kurzzeitwecker mit eingebautem Stromschalter. Mechanisch getrieben. Basteln bildet. Bis gestern habe ich nicht mal gewusst, dass es sowas wie Zeitrelais überhaupt gibt. Aber der französische Hersteller ist leider nicht auf Kleinstabnehmer eingerichtet.
Weiter googeln: Ein Foren-Eintrag ist die nächste Spur. Da hat schon mal jemand nach so einem Teil gesucht. Offenbar werden die auch in Starbucks-Kaffemühlen verbaut. Und ein Online-Versandhändler aus den USA hat die Teile tatsächlich in seiner Liste. Für 10 Dollar, plus 9,95 Versandkosten. Ich bestelle.
Und dann hab‘ ich mir gedacht: Ob das wohl verdächtig ist? Ein mechanischer Zeitschalter (wenigstens heißt das Teil nicht MI6), bestellt aus Deutschland (ich sage nur: Mohammed Atta), und dann hat der Typ auch noch jede Menge Suchanfragen nach NSA, Snowden und Kryptographie in seiner Such-History, interessiert sich aber auch für Robotik, künstliche Intelligenz und Nanotechnologie...
Nun sitze ich also da, und harre der Dinge, die da kommen. Zum Glück kann man Kaffee ja auch gemahlen kaufen. (wst)