Aus für HP in Rüsselsheim: Transfergesellschaft für Mitarbeiter

Eine Transfergesellschaft den Mitarbeitern von HP Rüsselsheim bei der Arbeitssuche helfen. Mit ihrer Hilfe sollten fast 500 Mitarbeiter neue Jobs finden. Andere Mitarbeiter wurden versetzt, schieden aus, gingen zurück zu Opel.

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Von
  • Joachim Baier
  • dpa

Während der CeBIT 2013 demonstierten HP-MItarbeiter noch hoffnungsfroh, die Standortschließung verhindern oder abmildernzu können.

(Bild: heise online / Jürgen Kuri)

Nach dem Aus für Hewlett-Packard in Rüsselsheim soll eine Transfergesellschaft den Mitarbeitern bei der Arbeitssuche helfen. Mit ihrer Hilfe sollten fast 500 Mitarbeiter neue Jobs finden, sagte Betriebsrats-Chef Volker Stichter am Montag anlässlich einer Betriebsversammlung in Rüsselsheim. "Das sieht im IT-Bereich eigentlich nicht schlecht aus für diejenigen, die gut qualifiziert sind." Es hänge aber auch vom Einzelfall ab, es drohten zudem Einbußen beim Einkommen. Der Standort soll zum 31. Januar 2014 geschlossen werden. Für die anderen 600 Mitarbeiter habe es andere Lösungen gegeben: Versetzungen innerhalb von HP oder freiwilliges Ausscheiden. Ein Teil der HP-Beschäftigten ging auch zurück zu Opel: Der Autobauer hatte die IT-Dienste einst ausgelagert und holte sie nunmehr zurück ins Haus. Der Standort Rüsselsheim war mit der Übernahme von EDS im Jahr 2009 zu HP gekommen.

Der weltweit zu den größten Herstellern von PCs, Druckern und Servern gehörende Konzern leidet mehr als andere unter der Flaute im PC-Geschäft. Deswegen werden bei HP weltweit rund 29.000 der rund 330 000 Arbeitsplätze gestrichen. "Die Schließung des Standorts Rüsselsheim war eine schwierige aber notwendige Entscheidung", erklärte das Unternehmen am Deutschlandsitz Böblingen.

Die Mitarbeiter von HP in Rüsselsheim lassen die Köpfe hängen. Bei vielen sitzt die Enttäuschung tief. "Ich kann mit Lohndumping woanders anfangen", erzählt ein Mitarbeiter. "Also: gleiche Arbeit – weniger Geld." Er ist mit vielen Kollegen am Montag zur Betriebsversammlung in die Stadthalle gekommen. Wie alle anderen ist er bedrückt und will seinen Namen nicht sagen. Die Kernbotschaft der Unternehmensführung: Es soll eine Transfergesellschaft geben, die fast 500 Mitarbeiter auffängt und sie in neue Jobs bringen soll. "Ich weiß aber nicht, wie es genau weitergehen soll", erzählt ein anderer HP-Mitarbeiter.

Die Agentur für Arbeit sieht die Situation aber bei weitem nicht so hoffnungslos wie die HP-Beschäftigten. "Für die Betroffenen ist der Schlag zwar relativ groß", sagte die Sprecherin der Arbeitsagentur in Bad Homburg, Berit Grautmann. "Aber es gibt noch Hoffnungen für Arbeitsplätze." Die zu erwartenden Einbußen seien allem Anschein nach nicht ganz so gravierend. "Die Gehaltsstruktur ist im Rhein-Main-Gebiet im IT-Bereich eigentlich überall gut." Mobilität sei aber eine klare Voraussetzung, man müsse schon bereit sein, "etwas weiter zu fahren, im Tagespendler-Bereich", meine Grautmann.

Was das Aus für Rüsselsheim bedeutet, da hält sich die Stadt äußerst bedeckt. Die Statistik nennt rund 32.600 sozialversichungspflichtig Beschäftigte, der größte Arbeitgeber ist Opel mit insgesamt rund 13.800. Das finanzielle Wohl und Wehe Rüsselsheim hängt vor allem mit dem Erfolg des Autoherstellers eng zusammen. Aber auch das Aus für HP schmerzt die Kommune.

"Ich bedaure sehr, dass die Verhandlungen über die geplante Schließung des Standorts Rüsselsheim gescheitert sind", sagt Stadtrat Nils Kraft. "Aber das ist eine unternehmerische Entscheidung, auf die eine Kommune leider keinen Einfluss hat. Wie so oft sind es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens, die in Krisenzeiten büßen müssen." (jk)