Grafik unter Linux aus Anwendersicht
Phoronix, bekannt für seine Linux-Benchmarks, hat Nutzer des freien Betriebssystems nach ihrer Meinung zum Thema Grafik unter Linux befragt.
Die Linux-Website Phoronix hat die Ergebnisse ihrer zweiten Umfrage zu Grafik unter Linux bekanntgegeben. An der Erhebung, die aus Fragen zu Themen wie X.Org, Grafikkarten und -Treibern sowie Anwendungsgebieten bestand, beteiligten sich 14.000 Linux-Nutzer. Mehr als die Hälfte der Respondenten (54 Prozent) haben das Ende September erschienene X.Org 7.4 im Einsatz, das Bestandteil der aktuellen Versionen von Ubuntu, Fedora und Opensuse ist. Ein gutes Viertel (27,5 Prozent) setzt auf den Vorgänger X.Org 7.3. Bei knapp 40 Prozent der Teilnehmer kommt das System als Videoplayer zum Einsatz, etwas mehr als ein Fünftel spielt Computerspiele.
Die bei Linux-Nutzern beliebteste Hardware-Marke ist Nvidia (41,11 Prozent), gefolgt von ATI/AMD (32,24 Prozent) und Intel (21,88 Prozent). Eine wesentlich geringere Rolle spielen Matrox, VIA und SiS/XGI. Eine große Mehrheit der Teilnehmer (mehr als 60 Prozent) bezieht ihre Grafiktreiber über die für ihre jeweilige Distribution zur Verfügung stehende Repositories. Ein Viertel holt sie sich direkt auf der Website des Herstellers. Ein Compositing Manager kommt bei mehr als die Hälfte zum Einsatz. Compiz Fusion (43,04 Prozent) führt hier vor KWin (15,80 Prozent), dem hauseigenen Tool des KDE-Desktops. Über ein Drittel der Respondenten verzichtet auf 3D-Effekte.
Gefragt nach den interessantesten X.Org-Entwicklungen zeigen die meisten Anwender auf Kernel-Based Modesetting (KMS), eine Technik, bei der der Kernel sich schon sehr früh im Bootvorgang um das Einstellen einer passenden Bildschirmauflösung kümmert und dem bislang zuständigen X.Org-Treiber diese Arbeit abnimmt. Ein Einzug in den Hauptentwicklungszweig des Kernels ist – zumindest für Intel-Hardware – für Linux 2.6.29 geplant. KMS-Unterstützung für ATI/AMD-Grafikkarten sowie für Nvidia (mittels des Nouveau-Treibers) soll erst später einfließen.
Darüber hinaus nennen viele der Umfrageteilnehmer Verbesserungen beim Abspielen von Video-Dateien. Neben Open-Source-Entwicklungen wie XvMC (X-Video Motion Compensation), das noch nicht von allen X.Org-Treibern unterstützt wird, sind hier die Augen vor allem auf proprietäre Treiber gerichtet. Während Hersteller Nvidia hier auf das in seine Grafikkarten und Chipsätze integrierte HD-Video-Beschleunigungs-API VDPAU (Video Decode and Presentation API for Unix) setzt, arbeitet Mitbewerber ATI/AMD an der Alternative XvBA (X-Video Bitstream Acceleration) für Radeon-GPUs. An dritter Stelle steht mit gut 20 Prozent DRI2, das eigentlich in X.Org 7.4 (XServer 1.5) Einzug halten sollte, jetzt aufgrund größerer Überarbeitungen auf XServer 1.6 verschoben wurde.
Bei der Konfiguration ihres Systems legen 40 Prozent selbst Hand an und greifen zum Texteditor, um die xorg.conf zu bearbeiten. Ein Drittel benutzt ein grafisches Konfigurationstool wie nvidia-settings oder system-config-display. Fast 15 Prozent benutzen für die Konfiguration RandR. Wichtig finden die Teilnehmer Funktionen wie Mehr-Monitor-Betrieb, TV-Out und GPU-Stromsparmodi. Für etwa 11 Prozent ist es wichtig, ob der eingesetzte Treiber Open Source ist oder nicht. (akl)