Lass die Sonne auf dein Hemd
Es gibt viele Gründe, den Sommer zu mögen. Ich habe nun einen weiteren entdeckt.
Es gibt viele Gründe, den Sommer zu mögen. Ich habe nun einen weiteren entdeckt.
Die Sonne hat eines meiner Lieblingshemden vor dem Altkleidercontainer gerettet. Es hatte vor einiger Zeit ein paar Flecken abbekommen, die sich sowohl der Reinigung als auch diversen Hausmittelchen hartnäckig widersetzten. Nun habe ich das weiße Hemd ein paar Tage ins Südfenster gehängt, und die Flecken sind praktisch nicht mehr zu sehen.
Es ist zugegebenermaßen keine ganz neue Erkenntnis, dass hartes Sonnenlicht gerade rötliche Farben schnell ausbleicht. Meine Bilder an den Wänden und mancher rote Astra aus den neunziger Jahren zeugen davon. Und früher wurde Wäsche ja routinemäßig in der Sonne gebleicht, wie mehrere Bilder des großartigen niederländischen Landschafts- und Wolkenmalers Jacob van Ruisdael (1628/29 – 1682) zeigen.
Aber warum ist dieser einfache Hausfrauentrick so in Vergessenheit geraten? Klar, nicht jeder möchte seine Fenster tagelang mit Hemden zuhängen. Und im Winter geht bleichtechnisch auf natürlichem Wege wenig. Aber weshalb bieten nicht wenigstens Reinigungen so etwas als Service an? Und warum werden mir im Handel zwar Dutzende Waschmittel und chemische Fleckenwässerchen hinterhergeworfen, aber keine kleine aufsetzbare UV-Lampe zum Selberbleichen? Da ja ein Flecken selten größer ist als eine Euro-Münze und die zu bestrahlende Fläche entsprechend klein, würden die Leuchten bestimmt keine Unmengen an Strom ziehen. Ich würde so ein Ding jedenfalls kaufen.
Doch so lange die Sonne scheint, nutze ich jetzt erstmal die kostenlose Reinigungskraft vom Himmel und mache meine Wohnung zu einem Textil-Versuchslabor. Ein paar andere abgeschriebene Hemden sonnen sich jetzt ebenfalls in meinen Fenstern. Vielleicht geht da bis zum Winter ja noch was.
(grh)