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Seit gut 250 Jahren versuchen TĂĽftler und Erfinder, die Energie von Blitzen zu speichern. Geht das ĂĽberhaupt?

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Seit gut 250 Jahren versuchen TĂĽftler und Erfinder, die Energie von Blitzen zu speichern. Geht das ĂĽberhaupt? Und wenn ja, ist es sinnvoll?

21,22,23… wenn es blitzt, fange ich ganz automatisch an zu zählen. Habe ich mir irgendwann als Kind angewöhnt, nachdem ich gelernt habe, dass man so abschätzen kann, wie weit das Gewitter noch weg ist. Alles unter 25 macht mich immer noch nervös. Ich habe zwar als Diplomand mit Hochspannung rumgebastelt - aber das hat nicht dazu beigetragen, mich zu beruhigen.

Als ich am Wochenende vor dem zeitweiligen Weltuntergangsgewitter geflohen bin, habe ich, während ich in den Regen starrte, ein bisschen vor mich hingerechnet. Zehn Millionen Volt Überschlagsspannung bei bis zu 100.000 Ampere. Da ist richtig Wumms drin, um das mal ganz locker zu formulieren. Auch wenn das so ein Blitz nur einige Mikrosekunden dauert, sprechen wir da über Megawattstunden.

Natürlich bin ich nicht der erste, der über so etwas nachdenkt. Schon Benjamin Franklin soll um 1750 mit der Idee gespielt haben, diese Energie einzufangen und nutzbar zu machen. Laut Wikipedia hat es seit den 1980er Jahren zahlreiche Versuche gegeben, Blitzenergie zu speichern. Technisch ist es zwar eine ziemliche Herausforderung, aber grundsätzlich ist das lösbar. Und die Forschung dazu dauern an.

Hört man auf die nüchternen Ingenieure der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FFE), lohnt sich der ganze Aufwand allerdings nicht. Denn die Zahlen, die das FFE am Start hat, sprechen eine ganz andere Sprache: Demnach werden bei einem Blitz nur 100 Amperesekunden Ladung übertragen. Das macht bei Zehn Millionen Volt eine elektrische Energie von 277 kWh. Damit kann man die Heizplatte zwar eine ganze Weile laufen lassen. Aber richtig weit kommt ein Vierpersonenhaushalt mit seinen 4000 kWh Jahresverbrauch damit nicht. Warum ist das so? Laut FFE geht ein Großteil der Energie des Blitzes in seine spektakuläre Erscheinung - sprich das Leuchten und das Donnern. Mein Gott, was für eine Verschwendung.

2007 hat ein Unternehmen namens Alternate Energie Holdings trotzdem versucht, Blitzfang im großen Stil zu betreiben. Der Blitzturm bei Houston hat aber nie richtig funktioniert. Jetzt beschäftigt sich das Unternehmen damit, in Idaho ein neues Atomkraftwerk zu bauen. Donnerwetter, ist man da versucht zu sagen. Donnerwetter. (wst)