Der Postdienst macht Axel Springer keine Freude
Während sich das Kerngeschäft mit Zeitungen und Zeitschriften positiv entwickelt und die Digitalsparte an Bedeutung gewinnt, sorgt der Ausflug ins Postgeschäft für rote Zahlen in der Konzernbilanz.
Die Axel Springer AG ist im digitalen Zeitalter angekommen. Aus dem Zeitungsriesen ist ein Medienkonzern geworden, dessen digitale Aktivitäten zunehmend an Bedeutung gewinnen. Bei Springer schlägt sich das nun auch in den Bilanzen nieder: Das Digitalsegment bekommt eine eigene Berichtssparte. Den Umbruch einer ganzen Branche illustriert dabei eine scheinbar kleine Änderung. Statt den klassischen "Anzeigenerlösen", seit Jahrzehnten Brot und Butter des Verlagsgeschäfts, bilanziert Springer fortan "Werbeerlöse" und trägt damit der "wachsenden Bedeutung neuer Werbeformen" wie Online-Werbung Rechnung. Während Online inzwischen zu einer festen Größe im Konzern geworden ist, sorgt der jüngste Ausflug Springers in den Postzustelldienst für Verluste.
Im dritten Quartal 2007 hat Springer beim Umsatz zulegen können. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wuchsen die Außenumsätze von 563 Millionen auf 681 Millionen Euro; dabei stagniert das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) bei 103,9 Millionen Euro (Vorjahr: 104,3 Millionen). Während der Konzern im Stammgeschäft mit Zeitungen und Zeitschriften sowie digitalen Medien zulegen konnte, belastet die Logistiksparte mit der im Juni übernommenen PIN AG das Ergebnis. In den ersten neun Monaten des Jahres wuchs der Konzernumsatz insbesondere durch Übernahmen im Online-Bereich und der PIN AG um 8,9 Prozent von 1,74 Milliarden auf 1,89 Milliarden Euro, wie das Unternehmen heute in Berlin mitteilte. Springer steigerte den Gewinn in dem Neunmonatszeitraum um 3,6 Prozent auf 179,6 Millionen Euro; das EBITDA der Neunmonatsperiode beziffert der Konzern auf 267 Millionen Euro und liegt damit auf Vorjahresniveau.
Das Kerngeschäft zeige eine "robuste Entwicklung", ließ der Konzern wissen. Mit Erlösen von 1,086 Milliarden Euro (Vorjahr 1,066 Milliarden ) in den ersten neun Monaten blieb die Zeitungssparte der größte Umsatzbereich im Konzern. Auch im Segment Zeitschriften konnte Springer den Umsatz um 3,2 Prozent auf 594,8 Millionen Euro steigern und profitierte dabei insbesondere von der Übernahme der Schweizer Jean Frey AG. Im neuen Segment Digitale Medien erhöhte das Unternehmen die Umsätze auf mehr als das Fünffache: Sie legten von 15,1 Millionen Euro im Vorjahr auf nunmehr 79,2 Millionen zu. Daran haben die neuen Beteiligungen am Frauenportal Aufeminin.com, am Vermarkter Zanox.de sowie an Idealo.de und Smarthouse wesentlichen Anteil.
Die Vertriebserlöse (Kiosk, Abonnements usw.) nahmen im Neunmonatszeitraum um 13,6 Millionen auf 892,9 Millionen Euro zu, bereinigt um Zukäufe lagen sie knapp unter dem Niveau des Vorjahres. Bei den jetzigen Werbeerlösen legte Springer in den ersten neun Monaten getrieben von Übernahmen wie Zanox und Idealo um 11 Prozent von 750,7 Millionen auf 833 Millionen Euro zu. Bereinigt um die Übernahmen wuchs der Bereich nach Verlagsangaben um 2,8 Prozent. Die Digitalisierungsstrategie soll fortgesetzt werden. Als Nächstes wird der Relaunch der Kernmarke Bild erwartet, die im Internet noch unter dem Dach von T-Online beheimatet ist. Berichten zufolge soll es beim Relaunch zu Verzögerungen gekommen sein; darüber hinaus heißt es, Springer plane die Trennung von T-Online.
Das Sorgenkind PIN AG sorgte im ebenfalls neuen Segment Logstik/Services/Holding in den ersten neun Monaten zwar für einen Umsatzsprung von 43,8 Millionen auf 97 Millionen Euro, ist allerdings auch wesentlich für die Ausweitung des EBITDA-Verlustes von 18,9 Millionen auf 54,1 Millionen Euro verantwortlich. Schon berichten die Wirtschaftsblätter, dass die PIN-Beteiligung schon wieder zur Disposition stehe – wie angeblich auch andere Aktivitäten. So soll der Verlag mit dem Logistiker TNT über eine Zusammenführung der PIN mit den deutschen TNT-Aktivitäten verhandeln. Das Gemeinschaftsunterfangen würde näher an den Marktführer Deutsche Post rücken.
Die Post lässt derweil die Muskeln spielen und will den massiv auf den Markt drängenden Verlagen das Terrain nicht kampflos überlassen. Während auf politischer Ebene noch über den Mindestlohn für Zusteller gestritten wird, droht Postchef Klaus Zumwinkel mit einer Gratiszeitung. Auch wenn die Post aufgrund ihrer Vertriebsmacht durchaus ernst zu nehmen ist, sind Springer und andere Verlage für solche Angriffe gut vorbereitet: So ziemlich jeder deutsche Zeitungsverlag hat ein fertiges und teils testerprobtes Konzept in der Schublade und kann binnen kürzester Zeit mit einem Gratisblatt kontern. (vbr)