Ein ganz normaler Job
Die Debatte um die Fähigkeiten der NSA nimmt manchmal groteske Züge an. Dabei kochen die auch nur mit Wasser.
Die Debatte um die Fähigkeiten der NSA nimmt manchmal groteske Züge an. Dabei kochen die auch nur mit Wasser.
Eigentlich wollte ich jetzt erstmal eine Zeitlang nicht mehr über die NSA schreiben. Man fängt ja derzeit leicht an, sich zu wiederholen. Nachdem nun aber sogar die "Tagesschau" berichtet, dass der E-Mail-Anbieter Lavabit, der einen verschlüsselten, anonymen E-Mail Dienst anbot, unter staatlichem Druck seinen Betrieb eingestellt hat, und ein anderer Dienste-Anbieter, Silent Mail, diese Nachricht so erschreckt hat, dass er auch gleich aufgibt, muss ich doch nochmal was dazu sagen.
Wesentlich weniger Hype hat es jĂĽngst um einen Angriff mit Schadsoftware gegeben, die Nutzer des Annonymisierungsnetzwerks TOR enttarnt hat. CCC-Sprecherin Constanze Kurz vermutet in der "FAZ" nun, dass die Aktion nicht nur dem Sammeln von Daten dient. Der Angriff mit - vermutlich staatlich produziertem - Schadcode sollte potentielle Nutzer wahrscheinlich einfach verunsichern. Nach dem Motto: Es nĂĽtzt nichts, sich zu verstecken. Wir kriegen euch alle.
So weit, so schlecht. Ich hatte 2010 die seltene Gelegenheit, einen kleinen Einblick in diese Welt der Überwacher zu bekommen. Sicherlich ein Einzelfall mit ganz anderen, viel kleineren Ausmaßen als Prism. Aber ich glaube, man kann da eine ganze Menge daraus lernen. Man kann daraus lernen, dass Internet-Überwachung ein ganz normaler Job ist. Das hat nichts von James Bond. Wir sprechen hier über staatliche und private Großorgansisationen, mit Hierarchien, strengen Budgetrichtlinien, Controllern und detaillierten Vorschriften über die Beschaffung von Hard- und Software. Kurz: über Bürokratie. Die sind nicht allmächtig. Die sind auch nicht allwissend. (Lesenswert dazu auch das Portrait des britischen Abhördienstes GCHQ aus dem "Guardian".)
Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass Geheimdienste Papiertiger sind. Zugegeben, sie sind – wie Mao schon sagte – auch richtige, echte Tiger, die Menschen fressen. Aber auch Papiertiger, deren Job darin besteht, größer und gefährlicher zu erscheinen, als sie wirklich sind. (wst)