Mit Hirnscans und Bluttests gegen Depressionen
Neurowissenschaftler arbeiten an neuen Methoden, um genau angepasste Therapien für psychische Störungen zu ermöglichen.
Um depressive Störungen behandeln zu können, müssen Ärzte derzeit experimentieren: Nach der Diagnose ist oft unklar, ob eine Medikation oder eine Gesprächstherapie helfen könnten. US-Forscher wollen nun mit Hirnscans, Bluttests und anderen "harten" diagnostischen Verfahren arbeiten, um die besten Behandlungsmethoden zu finden, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Die Forscherin Helen Mayberg von der Emory University konnte beispielsweise zeigen, dass bereits ein einfacher PET-Scan Hinweise darauf gibt, ob ein Patient besser medikamentös oder mittels kognitiver Verhaltenstherapie behandelt werden sollte. Im Mai beschrieb David Mischoulon vom Massachusetts General Hospital zudem eine Methode, mit der die Menge eines bestimmten Proteins im Blut von Patienten als Indikator für eine Medikationsumstellung dienen kann.
Laut Weltgesundheitsorganisation sind Depressionen weltweit der größte Auslöser einer Berufsunfähigkeit. Viele Menschen versuchen erst gar nicht, sich behandeln zu lassen – oder es fehlen ihnen die Mittel dafür. Denjenigen, die behandelt werden, wird in weniger als 40 Prozent aller Fälle mit der ersten Behandlungsart geholfen. Das Problem ist nicht, dass Ansätze wie Antidepressiva oder Verhaltenstherapie nicht funktionieren, sagen Psychologen. Stattdessen schlägt die jeweils gewählte Behandlungsform schlicht nicht bei jedem Patienten an.
Forscher aus vielen Disziplinen, von den Neurowissenschaften bis zur Genforschung, untersuchen diese komplexe Krankheit, die, so viel weiß man schon, eigentlich diverse Suberkrankungen repräsentiert. Großangelegte klinische Studien, die versuchen, aus Hirnstruktur oder Biomarkern die Wahrscheinlichkeit für einen Therapieerfolg herauszulesen, machen Hoffnung. Auch dürften sie ein klareres Bild über die tatsächliche Herkunft depressiver Störungen liefern.
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(bsc)