Mesh-Netzwerk misst Parkraumauslastung
Die kalifornische Stadt San Francisco will freie Plätze in der Innenstadt künftig mit Sensoren überwachen, die per Internet abfragbar sind.
In diesem Herbst will die kalifornische Stadt San Francisco das bislang größte Mesh-Netzwerk der Welt in Betrieb nehmen. Zweck der Anlage ist die Parkraumüberwachung. Rund 6000 drahtlose Sensoren, die das örtliche Unternehmen Streetline aufbauen wird, sollen dabei entlang möglichst vieler Parkplätze in der Straße angebracht werden, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die Technik wird sowohl die Verfügbarkeit von Parkmöglichkeiten als auch das Nutzungsvolumen überwachen, gleichzeitig aber auch die Geschwindigkeit des vorbeifahrenden Verkehrs messen können. Die Stadt will die Informationen aus den Sensoren dann in Web-Kartendienste einbinden sowie auf Smartphones und elektronische Beschilderungen weiterleiten. Das Ziel der Aktion: Der bei der Parkplatzsuche verursachte Verkehr und die damit einhergehende Luftverschmutzung soll deutlich reduziert werden.
Die Sensoren selbst stammen von Streetline, das verwendete Mesh-Netzwerk ("SmartMesh"), das ohne zentralen Knoten auskommt und sich mit jedem weiteren Sensorkästchen in seiner Reichweite verbessert, kommt von Dust Networks, einem Spin-off der University of California in Berkeley. Die kombinierte Technologie soll den einzelnen Knoten eine durchschnittliche Lebensdauer von 10 Jahren ermöglichen. Zwei einfache Mignon-Batterien reichen dafür aus. "Wir sind die allerersten, die ein vollständiges Netzwerk aufbauen, bei dem jeder Knoten jahrelang nur mit Batterien läuft, gleichzeitig aber eine sehr hohe Verlässlichkeit bieten kann", sagt Dust Networks-Chefin Joy Weiss. Zur Installation wird der Sensorkasten, der etwas größer ist als ein normaler Verkehrsreflektor, einfach auf der Straße aufgeklebt.
Yossi Sheffi, Direktor des MIT-Zentrums für Verkehr und Logistik, ist allerdings skeptisch, ob Parksensoren tatsächlich hilfreich sind, den Verkehrsinfarkt einer Stadt zu verhindern. "Das Ziel des Systems ist es, die Fahrt in die Innenstadt zu erleichtern und dabei sogar zu beschleunigen. Doch aus den Wirtschaftswissenschaften wissen wir, dass die Reduzierung des Preises von Gütern stets dazu führt, dass sie häufiger nachgefragt werden." Erleichterungen bei der Parkplatzsuche führten deshalb zu mehr Autos in den Innenstädten, nicht weniger: "Ich bin mir deshalb nicht sicher, dass das System zu weniger Luftverschmutzung und weniger Verkehr führt. Es könnte auch das Gegenteil bewirken."
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(bsc)