Augmented Reality wird greifbar

Eine neuartige Datenbrille kombiniert räumliche Darstellung mit einer Gestensteuerung.

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Eine neuartige Datenbrille kombiniert räumliche Darstellung mit einer Gestensteuerung.

Das Start-up Meta aus New York will mit einer neuartigen Datenbrille digitale Informationen virtuell "anfassbar" machen. Die sogenannten Space Glasses kombinieren eine auf die Brillengläser projizierte Bildschirmfläche mit einer Tiefenkamera. Das Ergebnis ist eine Augmented-Reality-Ansicht – eine erweiterte Realität, bei der Objekte im Raum vor dem Träger der Brille zu schweben scheinen.

Die Tiefenkamera, die dem Stereomodell ähnelt, das man vom Kinect-System der Spielekonsole Xbox 360 kennt, erfasst wiederum Bewegungen der Hände und direkte Gesten bis auf einzelne Finger herunter. So kann man beispielsweise in ein vor die Augen projiziertes 3D-Objekt hineingreifen und es drehen, die räumliche Darstellung passt sich also an. Als Beispiel nennen die Erfinder mit den Händen zu erkundende Architekturmodelle oder frei navigierbare medizinische Informationen wie 3D-Ansichten des menschlichen Körpers, die Ärzte sich vor die Augen holen könnten.

Die Space Glasses eignen sich auch fĂĽr Architekturmodelle

(Bild: Meta)

Meta ist ein Spin-off der Columbia University in New York. Die Firma wurde von einem Bachelor-Studenten und seinem Dozenten gegründet und hat mittlerweile mehr als ein Dutzend Mitarbeiter anwerben können. Als Hardware-Partner wurde der japanische Elektronikkonzern Epson, der neben Druckern auch Projektoren und andere Displaysysteme herstellt, gewonnen.

Im Gegensatz zu Googles Datenbrille Google Glass, die ein eigenes Betriebssystem enthält und mit einem Smartphone verbunden wird, um Verbindung mit dem Internet aufzunehmen, wird für die Space Glasses jeweils ein PC als Gerät zur Ansteuerung benötigt, auf dem das Betriebssystem Windows unterstützt wird – hier läuft auch die Gestenerkennung sowie die Grafikkarten-Arbeit zur eigentlichen Bilderstellung, die dann über die Brille ausgegeben wird. Ein ordentlich ausgestatteter Laptop ist ausreichend, heißt es von Meta, was die Space Glasses einigermaßen mobil – in einem Koffer – machen soll. "Zuerst braucht man den PC, dann die Brille", kommentiert Meta-Firmengründer und Chef Meron Gribetz gegenüber dem zum "Wall Street Journal" gehörenden IT-Blog "All Things D".

Die aktuelle Version der Brille ist noch reichlich groĂź.

(Bild: Meta)

Das Start-up arbeitet derzeit noch an der Miniaturisierung seines Brillenkonzepts. Eine Entwicklerversion der Space Glasses, die noch recht groß geraten ist, einer Stereobrille samt oberhalb montierter Kamera ähnelt und entsprechend gewichtig sein wird, soll samt Software zur Programmierung von Anwendungen (Software Development Kit, SDK) und Zugang zu einem Developer-Forum für die technische Unterstützung bereits im Herbst diesen Jahres ausgeliefert werden.

Der Preis begann im Rahmen eines Crowdfunding-Projektes auf der Plattform Kickstarter für Frühbesteller bereits bei 550 Dollar, später mussten bis zu 750 Dollar für das Developer-Kit in die Hand genommen werden. Das Konzept scheint offensichtlich anzukommen und diverse Nutzer zu interessieren: Meta konnte sich bei Kickstarter fast 195.000 US-Dollar Startkapital von 500 Interessierten für die Augmented-Reality-Brille sichern – fast doppelt so viel wie ursprünglich erhofft.

Beispielbild: Der Nutzer sieht ein Rezept "im Raum".

(Bild: Meta)

Eine Endkundenversion der Space Glasses ist im ersten Halbjahr 2014 geplant. Die Hardware wird dann – so ist es zumindest geplant – ein gutes Stück kompakter sein. Meta hofft, Größe und Gewicht alle sechs bis zwölf Monate zu halbieren. Im Labor soll bereits ein Prototyp der zweiten Generation vorhanden sein, der nur noch rund 100 Gramm wiegt.

Die Notwendigkeit, einen PC zur Ansteuerung zu verwenden, bleibt aber trotz angestrebter Miniaturisierung bestehen. Die Brille soll sich auch zum Spielen nutzen lassen, dazu wird die Programmierplattform Unity 3D eingesetzt, die auch schnelle Actiontitel zulassen soll, bei denen Spielfiguren frei im Raum platziert werden. Wie detailliert diese ausfallen können, hängt von der Grafikleistung des eigenen Rechners ab. (bsc)