Kleinanzeigenmarkt Craigslist kommt nach Deutschland
Mit lokalisierten Seiten will Craigslist seinen Erfolg auch in Europa wiederholen, muss sich aber im Stammland USA gegen den Vorwurf der Förderung der Prostitution wehren.
Der in den USA mit nach eigenen Angaben neun Milliarden Seitenaufrufen pro Monat sehr erfolgreiche Kleinanzeigenmarkt Craigslist breitet sich jetzt auch in Europa aus. Ihren Anklang bei den Nutzern verdankt die Site den schlicht gestalteten und deshalb übersichtlichen Seiten, die leichte Navigation ermöglichen. Die jetzt erfolgte Lokalisierung der Webseiten in Landessprache soll den Erfolg auch in der alten Welt sichern: Neben den Stammsprachen Englisch und Spanisch gehören nunmehr Deutsch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch zum Repertoire.
Für acht deutsche Städte (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, München und Stuttgart) führt Craigslist schon Angebote und Gesuche. Allerdings sind die Sparten noch eher spärlich bestückt, darunter auch offensichtliche Irrläufer wie etwa dem Inserat eines Bewohners von Los Angeles, der in Hannover eine Gefährtin sucht.
In den USA ist Craigslist indes unter Beschuss geraten, meldet die InformationWeek: Richard Blumenthal, Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaats Connecticut, forderte Craigslist auf, seine Seiten von Anzeigen zu säubern, die detailliert ("graphic photographs and hourly rates") sexuelle Dienstleistungen offerieren. Prostitution ist in fast allen US-Staaten illegal. Daraufhin hat Craigslist laut seinem Geschäftsführer Jim Buckmaster einen Filter installiert, der die Zahl solcher Anzeigen um 80 Prozent drücken soll. Der Vorwurf, mit solchen Anzeigen Umsatz zu machen, trifft Craigslist nicht, denn die Site nimmt nur für Stelleninserate und Immobilienanzeigen in ausgewählten Städten eine Gebühr.
Ein verwandtes Problem, das mit Filtern nicht zu lösen sein wird, sind gefälschte Inserate: Erst vor einer Woche erschien eine Kleinanzeige, in der jemand sein Hab und Gut Selbstabholern als Geschenk anbot. Prompt musste sich ein überraschter Immobilienbesitzer gegen eine Plündererhorde wehren. (ea)