Was Dagobert Duck mit Big Data zu tun hat
Es ist die IT-Meldung der Woche in Japan: Nun will auch noch Sony in die Auswertung von Kundendaten seiner Chipkarten-Besitzer einsteigen. Selbst Kühlschränke erforschen das Verhalten der Nutzer in Nippon womöglich bald.
- Martin Kölling
Es ist die IT-Meldung der Woche in Japan: Nun will auch noch Sony in die Auswertung von Kundendaten seiner Chipkarten-Besitzer einsteigen. Selbst Kühlschränke erforschen das Verhalten der Nutzer in Nippon womöglich bald.
Mit Daten verhält es sich so wie mit Moneten: Nach einer Phase exzessiver Schatzbildung neigen wir dazu, sie zu nutzen. Es ist einfach zu schade, wie Dagobert Duck in dem angehäuften Vermögen nur zum eigenen Vergnügen zu baden. Und so gehen immer mehr Firmen dazu über, die stetig wachsende Datenflut in ihren Rechnern zu durchforsten und Informationen zu verkaufen. Der Trend bringt interessanterweise Unternehmen in den Markt, die so gar nichts mit den üblichen Datenkraken wie Google oder Amazon zu tun haben.
Toyota hat in Japan beispielsweise angefangen, die Verkehrsdaten von Nutzern seiner interaktiven Verkehrsnavigation an Regierungen, Firmen und Privatleute zu verkaufen. Nun ziehen auch die Elektronikkonzerne nach. Sony hat am Montag angekündigt, seinen riesigen Marktanteil bei NFC-Kommuikationschips, dem sogenannten Felica-System, für den Einstieg in Big Data-Geschäfte zu nutzen.
Die Idee hat Potenzial. Denn die Technik wird in Japan in 660 Millionen Chipkarten eingesetzt, darunter in den elektronischen Zugtickets der Bahnlinien. Fast jeder Pendler hat sie und nutzt sie nicht mehr nur zum Kauf von Fahrkarten, sondern auch als elektronische Geldkarte. Sollte Sony die richtigen Verträge mit den Kartenanbietern haben, hätte das Unternehmen künftig Zugriff auf wertvolle Nutzerprofile, aus denen sich Ratschläge für Einzelhändler ableiten ließen, die sich beispielsweise rund um die japanischen Bahnstationen befinden.
Doch als ersten Schritt will Sony ein kleines Rad drehen. Das System soll zunächst in 200 bis 300 ausgewählten Apotheken der Präfektur Kanagawa eingesetzt werden, um die Medikamenten-Historie samt Nebenwirkungen einer Vielzahl von Patienten zu verfolgen. Mit dem Einverständnis der Kunden, heißt es.
Auch Sonys Rivale Panasonic denkt ganz groß über Big Data nach – und zwar für die Auswertung smarter Haushaltsgeräte. Die neuesten Kühlschränke und Klimaanlagen können schon jetzt das Leben ihrer Gastfamilien aufzeichnen. Was liegt da näher, als im nächsten Schritt unsere Gewohnheiten aus den Geräten abzulesen und auszuwerten.
Richtig lustig wird es im übernächsten Schritt, wenn die Kühlschränke dank kleiner RFID-Chips auf Lebensmitteln und Lesegeräten im Kühlschrank verstehen lernen, was in ihnen gebunkert ist und wie schnell konsumiert wird. Die Kühlschränke können dann nicht nur dazu dienen, ihren Besitzern das Leben zu vereinfachen, in dem wir aus der Ferne nachschauen können, ob wir noch alle Eier im Schrank haben.
Oder die Kühlschränke bestellen sogar selbst bestimmte Produkte nach. Die Kühlschrankhersteller könnten sogar über den Lebenszyklus der Geräts frisches Geld verdienen – indem sie durch die Auswertung der Daten Einzelhändlern Tipps geben, wie man den Kunden noch wirksamer das Geld aus der Tasche ziehen kann. Und die Dagobert Ducks in den oberen Konzernetagen dürfen freudig erregt zusehen, wie sich der Daten- in einen Geldsegen verwandelt. (bsc)