Microsofts Chance
Steve Ballmer geht, aber noch besser für Microsoft wäre: Endlich ein Handy-Betriebssystem anzubieten, das den Datenschutz ernst nimmt.
- Robert Thielicke
Steve Ballmer geht, aber noch besser für Microsoft und seine Kunden wäre: ein Handy-Betriebssystem anzubieten, das den Datenschutz ernst nimmt.
Ihm hätten die Visionen gefehlt, steht nun allenthalben in den Kommentaren zum Abgang von Microsoft-Chef Steve Ballmer zu lesen. Er sei nur ein guter Sachwalter von Bill Gates Hinterlassenschaft gewesen, nicht mehr. Das mag alles stimmen, aber als Erklärung für Microsofts Misere greift es doch zu kurz. Den Anschluss an das mobile Internetzeitalter hat der Konzern aus einem anderen Grund verloren: Weil es für seine Betriebssysteme Geld verlangt. Der große Konkurrent Android von Google dagegen ist umsonst. Die Nutzer bezahlen es mit ihren Daten, aber im Geldbeutel taucht die Summe nicht auf. Die Smartphone-Hersteller wie Samsung bezahlen sogar gar nichts. Also können sie Mobiltelefone weit günstiger anbieten als Konkurrenten wie Nokia, die auf Microsoft setzen.
Auf den ersten Blick mag der Erfolg von Apple mit iOS dieser Beobachtung widersprechen. Aber eben nur auf den ersten Blick. Denn zum einen ist selbst dieses Betriebssystem – gemessen an den 80 Prozent Marktanteil von Android – mit 13 Prozent weit abgeschlagen. Zum anderen bekommen es die meisten Menschen, weil sie Apple-Produkte kaufen – und nicht, weil sie unbedingt das zugehörige Betriebssystem besitzen wollen.
Gerade bei Mobiltelefonen interessierte sich lange kaum jemand dafür, auf welcher Software-Plattform es läuft. Sie sollte funktionieren und verständlich sein, das reichte. Weit entscheidender für den Kauf waren die Leistungsdaten des Handys, die Qualität der Kamera, das Design – und natürlich der Preis. So eroberte sich Samsung mit Hilfe von Android die Führung im Markt.
Um dagegen zu halten, versuchte Ballmer, die Strategie von Apple zu kopieren: Er ließ das Tablet Surface als Einheit zwischen Hardware und Software entwickeln. Microsoft wollte das Komplettpaket verkaufen und möglichst an beidem Geld verdienen. Das misslingt bisher. Dabei drängt sich gerade auf dem Hintergrund der NSA-Affäre eine andere Strategie förmlich auf: Windows 8 so zu gestalten, dass es keine Daten über seine Nutzer sammelt. Es auf den Markt zu bringen als ein Programm, das den Datenschutz ernst nimmt – und trotzdem die komplette Funktionalität bietet. Microsoft würde sich damit grundlegend von Apple, Android und übrigens auch dem neuen Firefox OS unterscheiden. Smartphone-Nutzer hätten endlich eine echte Alternative. (rot)