Creative geht gegen alternative Vista-Treiber für seine Soundkarten vor
Daniel_K war es mit seinen Treibern gelungen, bei X-Fi-Karten Funktionen unter Microsofts neuem Betriebssystem bereitzustellen, die Creative bei den als "Vista Ready" bezeichneten Produkten bis zum heutigen Tag nicht realisiert hat.
Creative ist derzeit offenbar auf dem Kriegspfad: Erst griff der Soundkartenhersteller den Konkurrenten Asus wegen dessen EAX-Emulation scharf an. Nun geht das Unternehmen gegen den Hobby-Programmierer "Daniel_K" vor, der alternative Vista-Treiber für Karten des Unternehmens entwickelt hatte. So forderte Phil O'Shaughnessy, seines Zeichens Vizepräsident Corporate Communications bei Creative, Daniel_K im offiziellen Forum des Unternehmens auf, keine Treiber mehr zu veröffentlichen. Zur Begründung führte O'Shaughnessy an, dass damit gegen geltendes Urheberrecht verstoßen werde. Forumsbeiträge, die auf die betreffenden Treiber verwiesen, wurden gelöscht.
Das pikante an dieser Geschichte ist, dass es Daniel_K mit seinen alternativen Treibern gelungen war, bei X-Fi-Karten Funktionen unter Microsofts neuem Betriebssystem bereitzustellen, die Creative bei den als "Vista Ready" bezeichneten Produkten bis zum heutigen Tag nicht realisiert hat. Da Creative selbst bislang keine einwandfrei funktionierenden und alle Funktionen unterstützenden Vista-Treiber für sein Soundkarten-Flaggschiff veröffentliche, ist die Empörung über das Vorgehen des Herstellers seitens der Besitzer von X-Fi-Karten groß. Eine Panne seitens Creative, bei der die falschen Treiber auf der offiziellen Website zum Download angeboten wurden, heizt die Diskussion zusätzlich an.
Liest man sich den Beitrag des Vizepräsidenten genau durch, so können jedoch Zweifel aufkommen, dass die Treiber-Einschränkungen (nur) auf Creatives Unfähigkeit zurückzuführen ist. So führt O'Shaughnessy aus, dass durch die Anstrengungen von Daniel_K von Creative entwickelte oder lizenzierte Technologien "auf Produkten laufen, für die sie nicht vorgesehen sind". Für Kritiker ist dies ein deutliches Zeichen, dass es Creative (zumindest auch) darum geht, die Funktionen einiger seiner Produkte künstlich zu beschneiden.
Nach einem Bericht von Trading Markets erwartet Creative für das dritte Quartal seines Geschäftsjahres (bis Ende März) einen operativen Verlust aufgrund des schwachen US-Dollars. Aus Verkäufen konnte das Unternehmen nach Schätzungen nur 150 Millionen US-Dollar erwirtschaften, was im Vergleich mit den 262,2 Millionen US-Dollar aus dem vorherigen Geschäftsquartal ein signifikanter Rückgang ist. Creative bliebe damit hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Dass das Unternehmen dennoch von einem (nicht näher bezifferten) Nettogewinn für das dritte Geschäftsquartal ausgeht, hängt wohl damit zusammen, dass es jüngst das Gebäude seines Hauptsitzes in Singapur für 180 Millionen US-Dollar verkaufte und dieses dann für 5 Jahre zurückleaste. (nij)