EEG im Ohr
Neuroforscher haben ein Gerät zur Hirnstrommessung erfunden, das wie ein Hörgerät getragen werden kann.
Neuroforscher haben ein Gerät zur Hirnstrommessung erfunden, das unauffällig wie ein Hörgerät getragen werden kann, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die Mini-EEG-Hardware wurde am Imperial College in London entwickelt und soll in der Lage sein, Hirnströme mehrere Tage ohne Unterbrechung am Stück aufzuzeichnen. Dies würde Ärzten helfen, Patienten zu beobachten, die unter regelmäßig wiederkehrenden neurologischen Problemen wie Krampfanfällen oder Mikroschlaf leiden. Da sich diese nicht vorab erkennen lassen, ist keine aktuelle Messung möglich.
Durch das Einführen des EEG ins Innere des Ohres vermeiden die Ingenieure Störungen, die sonst durch Körperbewegungen auftreten würden. Das Signal ist also stets qualitativ hochwertig. Wichtig ist auch, dass sich so sicherstellen lässt, dass die Elektrode an genau einem Punkt verbleibt, was Messungen über mehrere Sitzungen vergleichbar macht. Bislang sind EEG-Messgeräte recht voluminös und nicht portabel – sie bestehen auf Patientenseite aus einer Kappe mit eingebauten Elektroden. Dabei wäre es bei bestimmten Krankheitsbildern und zu wissenschaftlichen Zwecken sinnvoll, die Hirnstromwerte über einen längeren Zeitraum im Alltag zu erfassen.
Da das neue Gerät im Ohr sitzt, kann es allerdings nur direkte Werte aus dem Temporallappen des Gehirns aufzeichnen. Das reduziert den möglichen Nutzungsbereich – die zu untersuchenden Störungen müssen also genau hier oder in der Nähe auftreten. Tzyy-Ping Jung, Kodirektor am Center for Advanced Neurological Engineering der University of California in San Diego meint, dass diese Einschränkung aber nicht bedeute, dass das Gerät wertlos sei. "Verschiedene Anwendungen bedingen verschiedene Geräte. Die Idee ist grundsätzlich hervorragend und vielversprechend."
Mehr zum Thema in Technology Review online:
(bsc)