Meta wird marktreif
Anfang August konnte man in "Nature" lesen, dass es tatsächlich bald Produkte aus Metamaterialien geben könnte – das Zeug, aus dem Physiker Tarnmäntel bauen.
Anfang August konnte man in "Nature" lesen, dass es tatsächlich bald Produkte aus Metamaterialien geben könnte – das Zeug, aus dem Physiker Tarnmäntel bauen.
Das Intellectual-Ventures-Spin-Off Kymeta entwickelt laut einem Artikel eine Satelliten-Antenne, die nicht physikalisch auf den Satelliten ausgerichtet werden muss, sondern – natürlich elektronisch steuerbar – nur die Signale verstärkt, die aus einer ganz bestimmten Richtung in einem definierten Winkel einfallen.
Da schau her, habe ich gedacht. Der Mann schwafelt offenbar nicht nur rum. 2011 hatten wir ein Interview mit Nathan Myhrvold, ehemaliger technischer Direktor bei Microsoft und Gründer des Forschungsunternehmens Intellectual Ventures. Das Interview hat uns damals ein paar böse Leserbriefe eingebracht, weil Myhrvold ganz unverhohlen für eine Renaissance der Atomkraft wirbt. Aber das ist eine andere Geschichte.
Was ich spannend fand, war die Idee hinter Intellectual Ventures. Der Laden ist so eine Art frei schwebende Ideenschmiede. Die engagieren relativ hochkarätige Techniker und Wissenschaftler und lassen sie erst mal frei diskutieren – darüber wie man beispielsweise die Welt in 20 Jahren mit Energie versorgen könnte. Da gibt es dann keine „Sachzwänge“, nur die Frage, wenn wir das bauen wollen, was brauchen wir dafür? Welche Technologien stehen uns zur Verfügung? Und welche müssen wir noch entwickeln? Geht nicht gibt’s nicht.
Der Laden ist allerdings nicht unumstritten – Kritiker werfen Intellectual Ventures vor, als Patent-Troll aufzutreten, weil sie aus Ideen, die noch sehr weit von der Realisierung entfernt sind, Patente generieren, die sie dann teuer verkaufen. Als wir Myhrvold nach konkreten Projekten fragten, verwies er damals auf Metamaterialien. Sie wissen schon, das Zeug, aus dem Physiker Tarnmäntel bauen. Na ja, dachte ich, wenn er denn meint...
Und jetzt also Kymera. Die verwenden tatsächlich ein Metamaterial für ihre Satellitenantennen. Man kann sich so eine Antenne platt aufs Dach schrauben, und sie funktioniert genauso gut wie eine konventionelle Schüssel. Noch interessanter ist das Ding womöglich auch für Fluggesellschaften, die ihre Flugzeuge damit ausrüsten könnten. Praktisch wären solche richtungsabhängigen Antennen aber für alle Arten von mobilen Geräten. Wie lange es allerdings noch dauert, bis die neue Technologie auf den Markt kommt, bleibt offen. Kymeta habe, schreibt Nature, so wenig technische Details verraten, dass es extrem schwer sei, das Konzept zu beurteilen.
Grundsätzlich kann man mit Metamaterialien Photonen genauso gezielt lenken und schalten wie Elektronen mit Halbleitern - nur mit dem Speichern klappt es noch nicht ganz so gut. Bin gespannt, ob wir irgendwann dann auch photonische Technologie sehen werden. So ganz daneben scheint der Ansatz von Intellectual Ventures doch nicht zu sein. (wst)