Digitalisierer für den 3D-Druck
MakerBot rundet sein Angebot an 3D-Druckern mit einem eigenen Scan-Gerät ab. Das soll Kopien bestehender Gegenstände erlauben.
MakerBot rundet sein Angebot an 3D-Druckern mit einem eigenen Scan-Gerät ab. Das soll Kopien bestehender Gegenstände erlauben.
Wer einen 3D-Printer sein Eigen nennt, muss sich künftig nicht mehr aus dem Internet bedienen, um interessante Druckvorlagen zu finden – der Scan vorhandener Gegenstände reicht. Der 3D-Druck-Pionier MakerBot, der mittlerweile zum Rapid-Prototyping-Industrieriesen Stratasys gehört, hat dazu mit dem "Digitizer" ein vergleichsweise preiswertes Gerät angekündigt, mit dem sich Gegenstände in relativ hoher Auflösung abtasten lassen. Ergebnis ist ein 3D-Dokument im CAD-Standardformat STL ("STereoLithography"), das beispielsweise von MakerBots hauseigenem Printer Replicator akzeptiert wird oder über Plattformen wie Thingverse weitergegeben werden kann.
"Wir glauben, dass der Digitizer ein mächtiges und elegantes Werkzeug ist, mit dem man physische Objekte in digitale Designs umwandeln kann", sagte MakerBot-Chef Bre Pettis zur Ankündigung des Geräts, das er stolz eine "Komplettierung des MakerBot-3D-Ökosystems" nannte. "Man stellt etwas auf den Drehteller und es dreht sich. Laser werden auf das Objekt geschossen und das physische Modell wird Schritt für Schritt digitalisiert." Das System soll sich für Amateure ebenso eignen wie für Profis – letztere könnten mit dem "Digitizer" an bestehenden Modellen digital weiterarbeiten, "ohne ganz von vorne anfangen" zu müssen.
(Bild: MakerBot)
MakerBot erhofft sich von seinem Scanner offensichtlich auch neue Zielgruppen, die sich mit der Rechnerseite des 3D-Drucks – und insbesondere dem mühsamen Zusammenbau entsprechender Modelle – weniger beschäftigen will. Ein "Abenteuer" sei das Gerät, so der wie üblich enthusiastische Pettis in einem Vorstellungsvideo.
Wie üblich hat man es auch bei dieser neuen MakerBot-Technik mit einem Kompromiss zu tun – die Hardware ist zwar für ihren Preis vergleichsweise mächtig, kommt an Profigeräte aber natürlich nicht heran. So erreicht der "Digitizer" eine Genauigkeit von maximal 0,5 Millimetern und akzeptiert Objekte, die nur einen Durchmesser und eine Höhe von jeweils bis zu 20 Zentimeter haben dürfen. Auch beim Gewicht, den der automatisch rotierende Drehteller tragen kann, ist der Nutzer auf maximal drei Kilogramm beschränkt.
(Bild: MakerBot)
Pro Umdrehung werden laut MakerBot bis zu 800 Abtastschritte von zwei Lasern und einer Kamera vorgenommen. Ein kompletter Scanvorgang mit dem "Digitizer" dauert unter 15 Minuten, verspricht der Hersteller – was im Vergleich zu 2D-Scannern viel klingt, hält sich im Vergleich zum bei Amateur-3D-Printern noch immer schneckenlangsamen Druckvorgang noch in Grenzen. Eine Nachbearbeitung der mit dem Gerät gewonnenen Datei soll nicht zwingend notwendig sein, die erstellten 3D-Daten reichen für einen Direktdruck. Trotzdem sollte man sie sich zunächst am Rechner ansehen, ob sie vollständig und korrekt sind.
Das System hat zudem einige technisch bedingte Nachteile. So kann der "Digitizer" in der aktuellen Version keine Farben erkennen und hat Probleme mit sehr dunklen oder spiegelnden Bereichen, weil hier das Laserlicht nicht oder nicht optimal reflektiert wird. Notfalls muss eine Vorlage also an kritischen Stellen bepinselt oder bepudert werden, damit der Scan korrekt arbeitet.
(Bild: MakerBot)
Eine Software für Windows, Mac und Linux von MakerBot wird mitgeliefert, die sogenannte MakerWare macht aus Punktewolken die besagte STL-Datei. Der Preis des "Digitizer" soll bei 1400 Dollar plus Versand und Zoll liegen, ausgeliefert wird ab Herbst, vermutlich bereits im Oktober.
Das 2,1 Kilogramm schwere Gerät ist laut Hersteller explizit für die Schreibtischnutzung geeignet und auch gedacht – auch wenn ihm in der Standardversion jegliche Abdeckung fehlt, die beispielsweise Staub fernhalten könnte. Für ein optimales Scanergebnis sollten die Lichtverhältnisse gleichbleibend sein, zudem verträgt sich das System besser mit Kunst- denn mit Tageslicht. (bsc)