China bemüht sich um "grüne" Kohleverstromung

Neue Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke sollen so sauber wie Erdgasanlagen verbrennen, könnten durch die aktuelle Rezession aber ausgebremst werden.

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China könnte demnächst die Vereinigten Staaten bei der Anwendung der so genannten "Clean Coal"-Technologie überholen. Ein zentrales Joint Venture namens "GreenGen" koordiniert derzeit Bemühungen, neuartige Kohlekraftwerke in dem Land zu erproben und zu bauen, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Erster Schritt bei dem Vorhaben ist die Errichtung eines Kraftwerks nach der so genannten IGCC-Technik (Integrated Gasification Combined Cycle). Solche Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke besitzen eine vorgeschaltete Brennstoffvergasung und bieten einen besonders hohen Wirkungsgrad bei niedrigem Schadstoffausstoß, können fast so sauber wie Erdgaskraftwerke verbrennen.

In den USA stockt die Technologie dagegen mittlerweile. Im Februar beendete das Energieministerium das IGCC-Demonstrationsprojekt namens "FutureGen". Gleichzeitig ist von 30 ähnlichen Vorhaben der US-Energieversorger seit dem Jahr 2000 nur eines bislang signifikant fortgeschritten. Der Grund sind Klimaschutzbedenken.

Damit wird GreenGen zum modernsten IGCC-Projekt seiner Art auf der Welt, wie Ming Sung der Clean Air Task Force sagt, einer Nonprofit-Organisation, die in Umweltfragen berät. "Die Chinesen sind vorne, weil sie sowohl die ingenieurstechnische als auch die Design-Seite komplettiert haben. Wichtige Teile der Ausrüstung wurden ausgewählt und sind bestellt. Die Bauvorbereitung und die Arbeit am Fundament laufen."

Allerdings hängen die Projekte stark von den Entscheidungen der staatlichen nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) ab, die auch die Kraftwerkstarife festsetzt. Sie sorgt damit dafür, dass sich die neue Technik trotz höherer Ausrüstungskosten lohnt. Die Entwicklung könnte sich verlangsamen, wenn der politische Wind sich dreht: Die aktuelle Rezession sorge eventuell dafür, dass die Kommission nicht mehr gewillt sei, höhere Preise auf die Kunden abzuwälzen, meint Ming.

James Childress, Exekutivdirektor des Gasification Technologies Council, meint wiederum, dass Projekte wie GreenGen vor allem politischer Natur seien. "Die machen das, um dem "Verbrenne Kohle und kümmere Dich nicht weiter darum"-Image etwas entgegensetzen zu können." Die aktuelle wirtschaftliche Lage helfe da wenig – sie werde Projekte, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, auch in China deutlich behindern.

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(bsc)