Eine Frage des Blickwinkels: Infineon tĂĽrmt weiter Verluste auf
Infineon-Chef Ziebart ärgert es, dass die Öffentlichkeit immer nur auf den Nettoverlust einschließlich des Minus bei der Speichertochter Qimonda blickt. Aus seiner Sicht hat der Konzern sein Ziel erreicht.
Sieben magere Jahre hat der Chipkonzern Infineon nun schon hinter sich. Regelmäßig verhagelten sogenannte Sondereffekte wie Abschreibungen auf Lagerbestände oder Sanierungskosten sowie der Preisdruck bei Speicherchips das Ergebnis. Auch im abgelaufenen Geschäftsjahr war auf den ersten Blick alles wie gewohnt: Der Verlust wurde auf 368 Millionen Euro nochmals ausgeweitet. Nur einmal hat der Konzern seit dem Jahr 2000 einen kleinen Gewinn erzielt. Mit dem schwachen Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/07 häufen sich die Verluste nun auf insgesamt mehr als 2,8 Milliarden Euro an. Konzern-Chef Wolfgang Ziebart will nun aber die fetten Jahre einläuten: "Wir wollen das Unternehmen weiter ausbauen und nachhaltig profitabel machen."
Das letzte richtig gute Jahr war für Infineon 1999/2000 (30. September). Damals nutzte die einstige Konzernmutter Siemens die gute Stimmung in der Chipbranche sowie den Börsenboom und schickte die Chiptochter an die Börse. Der damalige Infineon-Chef Ulrich Schumacher fuhr im Rennwagen an der Wall Street vor, die Anleger rissen sich um die Infineon-Aktien, die wegen des schwankungsanfälligen Chipgeschäfts eigentlich nichts für den Kleinsparer sind. Ein gutes halbes Jahr nach dem Börsengang konnte Schumacher letztmals von einem Milliarden-Gewinn berichten, seither herrscht Tristesse. Der Aktienkurs dümpelte zuletzt deutlich unter 10 Euro. Beim Börsengang hatten die Papiere 35 Euro gekostet, der Höchstkurs lag deutlich über 90 Euro.
Nach dem Rausschmiss des schillernden Schumacher werkelt nun seit drei Jahren der frühere Conti-Vize Ziebart an der Sanierung des Konzerns. Ihn ärgere es, dass die Öffentlichkeit immer nur auf den Nettoverlust einschließlich des Minus bei der Speichertochter Qimonda blicke, berichten Vertraute. So erklärte Ziebart denn auch bei der Vorlage der Zahlen, aus seiner Sicht habe der Konzern sein Ziel erreicht. Infineon habe positive Zahlen geschrieben – ohne Qimonda und ohne Sondereffekte.
Tatsächlich ist in den vergangenen Jahren einiges passiert. Die Mobilfunksparte, die unter anderem unter der Pleite des Großkunden BenQ Mobile litt, hat Ziebart in mühseliger Kleinarbeit nah an die Gewinnzone herangebracht und mehrere neue Großkunden gewonnen. "Wir hätten es uns natürlich auch einfacher machen und einfach alle nicht-profitablen Bereiche abstoßen können", sagte auch Ziebart. Die Sanierung einer Problemsparte dauere naturgemäß länger als Schließung oder Verkauf. "Langfristig bringt die Sanierung aber auch mehr Wert als reine Portfoliomaßnahmen." Insgesamt seien in den vergangenen drei Jahren Geschäftsfelder mit einem Umsatz von rund 700 Millionen Euro zurück in die schwarzen Zahlen gebracht worden. Das Geschäft mit Auto- und Industriekunden läuft ohnehin relativ stabil, auch wenn hier Preisdruck und Dollarschwäche das neue Kerngeschäft belasten.
Noch aber wird all das von Qimonda überschattet. Noch hält Infineon rund 79 Prozent der Anteile an der Speicherchip-Tochter. Bis spätestens Anfang 2009 will Infineon die Mehrheit abgeben. Derzeit wäre das aber nur mit schmerzhaften Buchverlusten möglich. Mit knapp 14 Dollar stehen die Qimonda-Aktien noch in den Büchern von Infineon, zuletzt lag der Kurs unter 9 Dollar. In jedem Fall werden laut Finanzvorstand Peter Fischl im laufenden und wohl auch im zweiten Quartal 2006/07 weitere Qimonda-Verluste das Infineon-Ergebnis belasten. Wann der Gesamtkonzern vor diesem Hintergrund mal wieder schwarze Zahlen schreibt, ließ Ziebart lieber offen: "Ich gehe mal davon aus, dass wir Qimonda einfach ausblenden müssen." (Axel Höpner, dpa) / (anw)