Nicht mehr lange fackeln
Die TU Freiberg und der Chemieanlagenbau Chemnitz haben eine besonders preisgünstige Lösung für das Begleitgas-Problem entwickelt. Statt es wie bisher häufig nutzlos und umweltschädlich zu verbrennen, wandeln sie es in Benzin um
München, 26. September – Bei der Förderung von Erdöl wird das anfallende Gas bis heute häufig noch abgefackelt. Ein großes Umweltproblem, das seit einigen Jahren verstärkt mit verschiedenen neuartigen Verfahren wie Bayers "CompactGTL" oder "Gas to Liquids" von Synfuels angegangen wird. Im Projekt "Syngas to Fuel" (kurz STF) hat die Technische Universität Freiberg mit dem Chemieanlagenbau Chemnitz (CAC) nun eine weitere, nach eigenen Angaben besonders preisgünstige Lösung für das Problem entwickelt. Sie wandeln das Gas in Benzin um. Das Verfahren könnte theoretisch aus dem weltweit ungenutzten Gas mehr Benzin produzieren als in Deutschland verbraucht wird.
Verschwendung im großen Stil
Die Umweltschäden durch die Ölförderung sind erheblich. Eine der größten Verschmutzungsquellen ist das seit 150 Jahren permanent an den Förderstätten ausströmende Gas, je nach Vorkommen sind es bei der Förderung pro Tonne Erdöl zwischen 25 bis 800 m³. Wird es verbrannt, werden aus der Bohrung austretende gas- und dampfförmige Kohlenwasserstoffe zu Kohlendioxid und Wasser, aber auch Ruß und vielen weiteren schädlichen, teils giftigen Bestandteilen. Das Begleitgas enthält Wasserdampf, Schwefelwasserstoff, Kohlendioxid, Stickstoff, Edelgase, Schwermetalle und andere Bestandteile. Daher ist es teuer, das Gas zur Nutzung aufzubereiten. Auch beim Beladen von Gastankschiffen, in Raffinerien, auf Mülldeponien und bei anderen chemischen Prozessen wird Gas abgefackelt und so Energie in großem Stil verschwendet.
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(Bild: General Electric)
Kohlendioxid ist ein Klimagas, der Ruß ist maßgeblich beteiligt am Abschmelzen des polaren Eises. Einer Studie der deutschen Bundesregierung zufolge "resultierten aus der Menge an verbranntem Gas im Jahr 2011 360 Millionen Tonnen CO2-Emissionen - so viel wie 70 Millionen Pkw ausstoßen. Das entspricht knapp zwei Prozent der energiebedingten globalen Kohlendioxidemissionen. Die globalen Abfackelungsmengen lagen zwischen 1994 und 2008 zwischen 140 und 170 Milliarden Kubikmeter, 2011 bei 140 Milliarden Kubikmeter".