"The Movie Library" versucht sich als AllofMP3 für Videos

Die Musikindustrie kämpft seit Jahren gegen den russischen Musik-Downloaddienst AllofMP3 und errang dabei bisher nur Pyrrhus-Siege. Vom ebenfalls in Russland beheimateten Video-Downloadservice "The Movie Library" droht nun auch der Filmbranche Ungemach.

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Während der Katalog des umstrittenen Musik-Onlineshops AllofMP3.ru weiterhin über seine Partnerseite MP3Sparks.com abrufbar ist, droht nun auch der Filmbranche weiteres Ungemach aus Russland. Mit "The Movie Library" (ZML) hat kürzlich ein Video-Downloadshop sein Pforten geöffnet, der nach eigenem Bekunden über 1500 Spielfilme in Topqualität zum Download zu Preisen zwischen 2 und 5 US-Dollar anbietet.

ZML offeriert die als DivX 5.x kodierten Videos in drei Qualitätsstufen: "PDA/iPod" (typisch 320 × 176 Pixel, bis 180 kBit/s) kostet 2 US-Dollar, "DivX" (592 × 324 Pixel, bis 900 kBit/s) gibt es für 3 US-Dollar und "DVD" (720 × 392 Pixel, bis 1,6 MBit/s) für 5 US-Dollar. Will der Kunde per Kreditkarte (Mastercard oder Visa) bezahlen, muss er zunächst ein Kundenkonto bei ZML anlegen und einen gewissen Betrag hinterlegen. Alternativ kann man die "PDA"- und "DivX"-Version auch per SMS bezahlen (laut ZML pro SMS 2,38 Euro zzgl. Providerkosten).

Die Filme liegen in englischer Sprache vor; der Download veranschlagt je nach gewählter Qualität zwischen 500 MByte und 2 GByte. Zu jedem Video gibt es neben dem Coverbild diverse Vorschaubilder in Originalauflösung, eine Inhaltsangabe sowie das Ranking des Films in der International Movie Database (IMDb).

Die Macher der ZML haben von AllofMP3 gelernt: Wie der Musikshop bezieht sich "The Movie Library" hinsichtlich seiner Legalität auf die Russian Organization for multimedia and Digital Systems (ROMS): "All materials presented on this site are available for the distribution over the Internet in accordance with the license of the Russian Organization for multimedia and Digital Systems (ROMS) and intended for personal use only. Further distribution, resale or broadcasting is strictly prohibited." Verträge mit der ROMS legitimieren allerdings – wenn überhaupt – nur den digitalen Vertrieb innerhalb Russlands, nicht aber weltweit. Da den ZML-Betreibern der Fall AllofMP3 nicht ganz fremd sein dürfte, werden sie sich im Vorfeld auf die programmierte Auseinandersetzung mit der MPA (Motion Picture Association) gewappnet haben.

Um es neugierigen Zeitgenossen nicht allzu leicht zu machen, lässt ZML seine Domain-Einträge von PrivacyProtect.org verwalten. Als Kontaktadresse gibt ZML die Firma Ullan Management LLP in Birmingham an. Sucht man nach Informationen über diese Firma, stolpert man über die ähnlich wie ZML aufgemachte Website My Video Lib. Die Anbieter scheinen also bereits ein ähnliches Netzwerk aus Partnern und Cobranding-Sites zu flechten wie AllofMP3.

Die Frage, woher die Videos stammen, scheint schnell beantwortet. Es gibt erste Hinweise darauf, dass sich ZML unter anderem "aXXo Releases" bedient – DVD-Kopien, die von "aXXo" via BitTorrent verteilt werden. Viele der offerierten Inhalte dürften von so genannten R5-Discs stammen. Die Filmindustrie kämpft schon seit Langem mit aus Russland stammenden, qualitativ hochwertigen "Telecines" (digitale Filmabtastung) von Kinofilmen. Um wenigstens einen kleinen Marktanteil zu gewinnen, pressen die Filmstudios eigens für Russland DVDs, bekannt als R5 (für Region 5), die bereits kurz nach US-Kinostart in Russland zu einem günstigen Preis auf den Markt kommen, um mit den illegalen Angeboten konkurrieren zu können. (vza)