Infrastrukturdienst auf Open-Source-Basis
Das US-Start-up 10gen will mit einer offenen Cloud-Computing-Lösungen Google App Engine und Amazon Web Services Konkurrenz machen.
Ende Juli gab das Start-up 10gen eine Vorschau auf seine Infrastrukturlösung für Web-Anwendungen. Damit begibt sich die junge Firma in ein umkämpftes Gebiet, in dem sich bereits diverse große Player wie Google (Google App Engine) oder Amazon (Amazon Web Services) tummeln – hinzu kommen diverse Neugründungen. 1,5 Millionen Dollar Frühphasenfinanzierung vom New Yorker Risikokapitalunternehmen Union Square Ventures konnte 10gen dafür immerhin einsammeln, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Web-Anwendungen liegen im Trend – vom Multiplayer-Spiel bis zur Textverarbeitung läuft immer mehr Software direkt im Browser des Nutzers. Damit das technisch auch zuverlässig funktioniert, wenden sich die Betreiber zunehmend an Spezialfirmen zum Einkauf der notwendigen Infrastruktur. So lassen sich Datenbanken und Serverkapazitäten ganz nach Bedarf einkaufen, ohne in Gefahr zu geraten, dass die eigene Hardware nicht mehr skaliert. Das Thema Skalierung ist eine Überlebensfrage für solche Web-Firmen: Bei zu schlechter Vorbereitung kommt es zu Ausfällen, wenn ein Produkt plötzlich besonders populär wird; investiert ein Unternehmen hingegen zu viel und die Nachfrage kommt nicht, wirft das hohe Folgekosten auf. Infrastrukturdienste werben damit, den Einkauf der Ressourcen "a la carte" anzubieten.
Google App Engine ist beispielsweise so gestaltet, dass Dritte auf die von Google verwendete proprietäre Datenbanktechnologie "BigTable" zugreifen können, die laut dem Suchmaschinenkonzern speziell dafür gedacht ist, "Petabytes an Daten über tausende kostengünstige Server" zu verteilen. 10gen hat nun seine eigene Datenbank namens Mongo geschaffen, die ebenfalls darauf ausgerichtet ist, besonders gut zu skalieren.
Im Gegensatz zu Google wird die Technologie dahinter allerdings als Open-Source-Software bereitgestellt. Daraus ergibt sich laut 10gen-Firmengründer Dwight Merriman unter anderem, dass eine Firma, die ihre Web-Anwendung zu einem anderen Infrastrukturanbieter portieren will, dies deutlich leichter umsetzen kann. "Wenn man BigTable nutzt, nutzt man das, wozu diese Plattform besonders gut geeignet ist. Will man seine Technik dann zu einem anderen Anbieter verlagern, funktioniert das aber nicht", sagt Merriman. Bei Mongo könne man die Datenbank immer auch vollständig mitnehmen.
Ray Valdes, Forschungsdirektor für Web-Dienste beim IT-Analystenhaus Gartner, findet einige der Ideen von 10gen durchaus interessant, bleibt insgesamt aber eher skeptisch. Das Versprechen, das System quelloffen zu veröffentlichen, sei auch sicher davon motiviert, den Kunden seine Stabilität zu beweisen. "Jede kleine Firma im Plattformgeschäft braucht diesen Aspekt, weil es das Risiko für die Kunden reduziert."
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(bsc)