Ausprobiert: Das Windrad

Das Whike ist eine Mischung aus Liegerad und Landyacht. Kann man sich damit auf öffentliche Straßen trauen?

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Das Whike ist eine Mischung aus Liegerad und Landyacht. Kann man sich damit auf öffentliche Straßen trauen?

Gregor Honsel, TR-Redakteur, hätte längst ein Whike – wenn er in einer windigeren Gegend wohnen würde.

Dass ich nicht auf einem normalen Fahrrad sitze, merke ich schon nach wenigen Metern, denn plötzlich bäumt sich das Vorderrad auf. Der mannshohe Mast, der zwischen meinen Knien emporragt, ist am halb offenen Hallentor des Händlers hängen geblieben. Doch weder Gerät noch Tor nehmen mir die Kollision krumm, und ich fahre unter vollen Segeln raus auf die Straßen des südholländischen Städtchens Hillegom. Etwas mulmig ist mir dabei schon, doch das Whike – so heißt das Segelrad – flößt schnell Vertrauen ein.

Seine Basis bildet ein solides Liege-Dreirad mit Kettenschaltung und Scheibenbremsen. Das Segel wird mit nur einem einzigen Tau, der Großschot, bedient. Je nach Windrichtung und Geschwindigkeit kann der Pilot es damit mehr oder weniger dicht ans Bike heranholen. Beim Bremsen wird die Schot automatisch freigegeben, damit das Segel keinen Vortrieb mehr erzeugt. Außerdem ist das Whike mit Licht und allem anderen ausgestattet, was die Zulassungsordnung vorschreibt. Es darf also auf öffentlichen Straßen fahren.

Mast und Segel lassen sich zur Not demontieren und am Rahmen befestigen. Aber auch aufgebaut behindern sie weder die Sicht noch entwickeln sie ein bedenkliches Eigenleben. Leider erzeugen die 1,6 Quadratmeter bei meiner Probefahrt auch keinen nennenswerten Vortrieb: Erst oberhalb von Windstärke 3 (ca. 20 km/h) komme das Whike wirklich in Wallung, hatte mich der Händler gewarnt. Davon bin ich leider weit entfernt.

Ohnehin soll die Windkraft den Radler in erster Linie unterstützen und nicht arbeitslos machen. Also heißt es pedalieren. Auf der Suche nach Wind nehme ich Kurs aufs offene Umland. Zwischen zwei Dörfern kommt mir eine ewig lange Radkolonne von Schulkindern entgegen. Sie lachen, als sie mich sehen. Wahrscheinlich halten sie mich für eine tretfaule Socke. Wenn die wüssten – ich segle nicht, ich fahre ein Segel spazieren. Es pendelt weiter unentschlossen hin und her.

Auf dem Rückweg zum Händler verfahre ich mich in einem Wohnviertel und kann mich noch einmal von der Alltagstauglichkeit des Whikes überzeugen. Dass bei entsprechendem Wind auch der Spaßfaktor stimmt, kann ich nicht überprüfen, glaube es aber gerne.

Produkt / Hersteller: Whike
Preis: 3500 Euro
(grh)