Forscher hofft auf Durchbruch im Kampf gegen Metastasen

Warum sich Sekundärtumore im Körper von Krebskranken bilden können, galt lange als Rätsel. Der MIT-Biologe Robert Weinberg glaubt, eine Erklärung gefunden zu haben.

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Wenn sich so genannte Sekundärtumore bilden, so ist dies für einen Krebspatienten nicht selten enorm gefährlich. Tatsächlich gelten diese Metastasen als Hauptgrund für eine erhöhte Sterblichkeit: 90 Prozent der Krebstode sind ihnen zuzuschreiben, heißt es in der Literatur. Robert Weinberg, Biologieprofessor am MIT und Krebsforschungspionier, der in den Achtzigerjahren wichtige Tumor-Gensequenzen aufdeckte, will nun eine detaillierte Erklärung gefunden haben, warum es zu Metastasen kommt. "Es wird immer deutlicher, dass einer der Mechanismen, ziemlich wahrscheinlich der dominierende, mit der Fähigkeit der Krebszellen zu tun hat, frühe embryonale Verhaltensabläufe wiederzubeleben", sagte er im Interview mit dem Technologiemagazin Technology Review.

Es gäbe Gengruppen, die es der Krebzelle bei Aktivierung erlaubten, sich zu bewegen, invasiv zu werden und dem programmierten Zelltod zu widerstehen, der normalerweise droht, wenn sie den Primärtumor verlässt. Diese Prozesse ähnelten den Programmen, die bei Embryonen aktiviert würden, um sich von einem Bereich des Körpers in einen anderen zu bewegen. "Das zeigt, dass Krebszellen nicht so clever sind, wie wir immer dachten. Statt komplexe Verhaltensprobleme zu überwinden, konzentrieren sie sich einfach opportunistisch auf die Wiederbelebung von Abläufen, die normalerweise bei erwachsenem Gewebe unterdrückt wären", sagt Weinberg.

Das komplizierte Gedankengebäude, das Metastasen heute für die Medizin darstellten, reduziert sich nach dieser Theorie auf zentrale Gengruppen. Dieses Szenario sei sehr ermutigend, meint Weinberg. Er glaube, dass sich in den nächsten Jahren Wirkstoffe entwickeln ließen, die die Sterblichkeit mehr und mehr reduzieren würden: "Das wird schrittweise nach vorne gehen. Es könnte aber durchaus einige dramatische Schlachten geben, die gewonnen werden – bestimmte Krebsarten könnten dadurch von einer lebensbedrohlichen zu einer chronischen Krankheit werden."

Das ganze Interview mit Krebsforscher Weinberg in Technology Review online:

(bsc)