Siemens-Belegschaftsaktionäre fordern Entschuldigung von Ex-Chef Pierer
Die fragwürdigen Millionenzahlungen an die konzernfreundliche Betriebsräteorganisation AUB seien ein eklatanter Verstoß gegen die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft gewesen. Der neue Siemens-Chef Peter Löscher hat sich dafür bereits entschuldigt.
Der Verein von Belegschaftsaktionären in der Siemens AG hat den früheren Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer aufgefordert, sich für Millionenzahlungen an die konzernfreundliche Betriebsräteorganisation AUB (Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger) zu entschuldigen. Der Fall sei ein "eklatanter Verstoß gegen die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft", erklärte der Vereinsvorsitzende Manfred Meiler.
Im Frühjahr war bekannt geworden, dass der damalige Leiter der Organisation, Wilhelm Schelsky, über Berater-Firmen Zahlungen von bis zu 50 Millionen Euro von Siemens erhalten hatte. Der wegen Vorwürfen der Steuerhinterziehung und Beihilfe zur Untreue verhaftete Schelsky erklärte später, er habe von der Konzernspitze den Auftrag zum Aufbau einer Lobbyorganisation erhalten. Mit den von Siemens gezahlten Millionen-Honoraren sollte ein Gegenstück zur IG Metall geschaffen werden.
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat sich der neue Siemens-Chef Peter Löscher bereits bei den Beschäftigten und Arbeitnehmervertretern entschuldigt, dass "dieses Verhalten aus der Mitte unseres Unternehmens genährt worden ist". Alles, was er über dieses Thema wisse, habe bei ihm persönlich den Eindruck erweckt, "dass hier ein merkwürdiges und fehlgeleitetes Verhalten Platz gegriffen hat". Dafür entschuldige er sich ausdrücklich bei den Betriebsräten, bei der Belegschaft und bei der IG-Metall.
"Wir hätten uns dies eigentlich vom früheren Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer gewünscht, in dessen Amtsperiode die dubiosen Millionentransfers von zirka 50 Millionen Euro gefallen sind", erklärte der Verein der Belegschaftsaktionäre am heutigen Freitag. Pierer hatte wiederholt erklärt, er habe keine Kenntnis von den Siemens-Zahlungen an die AUB gehabt. Auch von den Siemens-Schmiergeldzahlungen, die sich inzwischen auf bis zu 1,5 Milliarden Euro belaufen sollen, will von Pierer nichts gewusst haben. (pmz)