Axel-Springer-Verlag: Übernahme von ProSiebenSat.1 in kleinen Schritten?
Nach Informationen des "Spiegel" verhandelt die Axel Springer AG bereits seit Wochen über eine Beteiligung am zur ProSiebenSat.1-Gruppe gehörenden Nachrichtenkanal N24. Auch von der Gründung eines neuen Sendeformats "Bild-TV" ist die Rede.
Der Berliner Medienkonzern Axel Springer AG verhandelt nach Informationen des Spiegel bereits seit Wochen über eine Beteiligung am zur ProSiebenSat.1-Gruppe gehörenden Nachrichtenkanal N24. Die Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner (Springer) und Guillaume de Posch (ProSiebenSat.1) hätten zuletzt in der Bundeshauptstadt über einen Einstieg bei N24 und die Gründung eines neuen Sendeformats gesprochen, berichtet das Hamburger Magazin unter Berufung auf vorstandsnahe Kreise.
ProSiebenSat.1 wolle Anteile an N24 aber nur dann abgeben, so der Spiegel, "wenn Springer dem Problemfall Sat.1 beispringe, in Form eines neuen Formats "Bild-TV" – das dem Sender bei der Quote auf die Sprünge helfen könnte." Springer seinerseits fürchte für diesen Fall jedoch um seine Marke "Bild" – das Image des Boulevardblatts könnte durch die Sendung leiden. Alternativ zu einem anteilsmäßigen Einstieg sei aber offenbar auch über eine vergleichsweise lockerere Kooperation gesprochen worden.
Die Axel Springer AG, die 12 Prozent des Grundkapitals von ProSiebenSat.1 hält, war Anfang 2006 mit dem Versuch gescheitert, die Münchner Sendergruppe komplett zu übernehmen. Ein Zusammenschluss beider Konzerne würde nicht nur auf dem Fernsehwerbemarkt, sondern auch auf dem Lesermarkt für Straßenverkaufszeitungen und auf dem bundesweiten Anzeigenmarkt für Zeitungen zu einer nach dem Kartellrecht nicht genehmigungsfähigen Marktmacht führen, befand das Bundeskartellamt damals.
Gut ein Jahr später wurden 88 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien sowie 13 Prozent der nicht stimmberechtigten Vorzugsaktien der ProSiebenSat.1 dann für rund drei Milliarden Euro an die Investmentgesellschaften KKR und Permira veräußert. Die Axel Springer AG klagte gegen die Entscheidung der Wettbewerbshüter und konnte zuletzt einen Erfolg verbuchen: Nach einem Beschluss des Bundesgerichtshofs muss das Oberlandesgericht Düsseldorf nun klären, ob das Bundeskartellamt den Zusammenschluss von Springer und ProSiebenSat.1 zu Recht untersagte.
"ProSiebenSat.1 ist für uns nach wie vor ein höchst attraktives Unternehmen, die strategische Logik einer Übernahme durch Axel Springer wäre nach wie vor gegeben", hatte der Berliner Konzern Ende September erklärt. Verhandlungen über N24 und "Bild-TV" wurden von beiden Seiten bislang allerdings dementiert. Grund für die Verhandlungsbereitschaft von ProSiebenSat.1 ist laut Spiegel neben der Quotenschwäche des Senders Sat.1 das rückläufige Geschäft des Gewinnspielsenders 9Live. Die ProSiebenSat.1-Gruppe, der für 2008 bereits ein zweistelliger Millionenbetrag fehlen soll, legt am Donnerstag Zahlen für das dritte Quartal vor. (pmz)