Noten für die Bildungspolitik

Der Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat die Bildungssysteme der Bundesländer danach bewertet, was sie zum wirtschaftlichen Wachstum beitragen können.

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Von
  • Frank Möcke

Anhand einer eigenständigen Definition von Bildung hat die unternehmernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft die Bildungssysteme der deutschen Bundesländer bewertet. Ihr Bildungsmonitor bewertet die Bildungssysteme danach, "was sie zu wirtschaftlichem Wachstum beitragen können".

In die seit 2004 jährlich erstellte Studie fließen über 100 Indikatoren ein, von der Zahl der Schulabbrecher pro Bundesland bis zur Zahl der frisch gekürten Doktoren, die von einer Universität kommen. Die Zahlen entstammen verschiedenen statistischen Einrichtungen wie beispielsweise den Statistischen Landesämtern, beziehen sich auf das Jahr 2006 und sind in Punkte umgerechnet worden.

Daraus folgert die INSM eine stabile Dreiteilung der Bundesländer in ein Spitzenquartett bestehend aus Sachsen, Baden-Württemberg, Thüringen und Bayern, ein breit gefächertes Mittelfeld aus elf Ländern und ein Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern, das bereits einen erheblichen Rückstand gegenüber dem vor ihm platzierten Nordrhein-Westfalen aufweist.

Insgesamt, kommentiert die INSM, seien die Voraussetzungen, dass die Bildungssysteme wirtschaftliches Wachstum fördern können, noch einmal günstiger geworden. Der Haupttreiber der Fortschritte sei gegenüber dem Vorjahr der bewusstere Umgang mit Bildungszeit. Bei den Betreuungsbedingungen, der Integration und dem MINT-Bereich (Hochschulstudiengänge der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) blieben die Durchschnittswerte unterhalb des Ausgangsniveaus aus dem Bildungsmonitor 2004. Trotz aller Fortschritte gegenüber dem Ausgangszeitraum sei der Ausbau der Förderinfrastruktur zuletzt nahezu zum Erliegen gekommen.

Die größten Fortschritte konnten die 16 Bundesländer bei der Zahl der Schüler, die Fremdsprachenunterricht erhalten, und bei der internationalen Ausrichtung von Hochschulen erzielen. Zudem hat die Gesamtdauer abgenommen, in der Schule und Studium durchlaufen werden.

Die deutschen Hochschulen bilden weniger Ingenieure aus als zur Jahrtausendwende. Zudem stagniert die Ganztagsbetreuung in vielen Bundesländern auf einem niedrigen Niveau. Die Zahl der Hochschul-Absolventen in ingenieurwissenschaftlichen Fächern ist gemessen an allen Absolventen von gut 20 Prozent im Jahr 1999 auf 16 Prozent im Jahr 2006 gesunken.

Als deutlich ausbaufähig identifiziert der Bildungsmonitor die Ganztagsbetreuung an Kindertagesstätten und Schulen. In einigen Bundesländern werden nur zwei Prozent aller Grundschüler und acht Prozent aller Kinder zwischen drei und sechs Jahren ganztägig betreut. Nur die ostdeutschen Bundesländer wie beispielsweise Sachsen und Thüringen (66 und 63 Prozent aller Grundschüler) bilden hier Ausnahmen.

Die INSM wird mit rund 8,8 Millionen Euro jährlich von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziell getragen und logiert mit dem "Institut der Deutschen Wirtschaft", das die Studie erstellt hat, unter einem Dach in Köln am Gustav-Heinemann-Ufer.

Zur INSM und dem Bildungsmonitor siehe auch: