Geschäftsmodell CO2
Ein US-Unternehmen will gutes Geld mit dem Auffangen von Klimagasen verdienen, die dann beispielsweise in der Ölförderung eingesetzt werden können.
Wenn die Stromkonzerne bald auf fortschrittlichere wie sauberere Kohlekraftwerke umsteigen wollen, brauchen sie einen praktikablen Weg, das anfallende Klimagas CO2 einzufangen und zu speichern. Das US-Unternehmen Blue Source hat eine Idee, wie das durchaus wirtschaftlich funktionieren könnte: Es kauft den Erderwärmer an, um ihn anderweitig gewinnbringend anzuwenden. Abnehmer ist ausgerechnet die Erdölindustrie, die das CO2 in sich langsam erschöpfende Ölquellen pumpt, um das verbliebene Rohöl zu lockern und leichter abpumpen zu können. Das Klimagas kann anschließend im Erdboden verbleiben, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Blue Source startete gerade sein erstes großes Projekt mit dieser Form der Sequestrierung. Dabei wird industrielles CO2 aus der Erdgas-Produktion im Südosten Colorados zu einem bislang noch ungenannten Ölproduzenten geleitet, der sich nicht weit weg befindet. Im Endergebnis soll dies die Rohölproduktion steigern und gleichzeitig eine deutliche CO2-Reduktion erreichen – so viel Klimagas, wie von 70.000 Fahrzeugen produziert würde, wird eingespart. Blue Source handelt dabei auch mit so genannten Klima-Offset-Derivaten.
Das Unternehmen und seine Finanziers wetten darauf, dass der Markt für CO2-Auffangsysteme weiter wächst – auch dadurch, dass die US-Bundesstaaten langsam schärfere CO2-Grenzwerte festsetzen. Die Klimagasreduktion könnte so zu einem großen Geschäft werden. Blue Source warb über eine Private-Equity-Firma kürzlich eine Milliarde Dollar an Investmentkapital ein. Damit sollen nun insgesamt 16 Projekte angeschoben werden. Neben industriellem CO2, das in konzentrierter Form vorliegt, sollen auch Kohlekraftwerke mit Auffangtechnik ausgestattet werden. Das ist zwar teurer, könnte sich aufgrund steigender Ölpreise aber lohnen.
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(bsc)