Großes LCD-Panel-Werk in Italien geplant
Mit staatlichen Beihilfen von 180 Millionen Euro soll in der italienischen Region Kampanien eine 900 Millionen Euro teure Fabrik für LCD-Panels gebaut werden. Ein ähnliches Projekt war vor Jahren in Deutschland gescheitert.
In der italienischen Region Kampanien am Golf von Neapel soll ein Werk zur Fertigung von LCD-Panels entstehen. Das geht aus einer aktuellen Mitteilung der Europäischen Kommission hervor. Darin gibt die Kommission bekannt, dass sie nach den Beihilfevorschriften des EG-Vertrages eine staatliche Beihilfe Italiens in Höhe von 180 Millionen Euro für ein großes Investitionsvorhaben von Digital Display Devices (DDD) in Kampanien genehmigt. Da die dort gefertigten Panels teilweise zu Modulen für Flachbildfernseher und Computermonitore montiert werden sollen, muss es sich um relativ große Displays handeln. Bislang ist man davon ausgegangen, dass sich eine europäische Fertigung allenfalls für kleinere Displays unter 10 Zoll, also 25 Zentimeter Diagonale rechnet.
Als förderfähige Kosten – mithin Baukosten – nannte DDD 900 Millionen Euro, gefördert werden vom italienischen Staat 180 Millionen. Eine Genehmigung durch die EU war notwendig, damit Wettbewerbsverfälschungen ausgeschlossen werden konnten. Grundlage für den positiven Bescheid war, dass die Auswirkungen der Beihilfe auf den Wettbewerb durch den positiven Beitrag zur Regionalentwicklung Kampaniens ausgeglichen werden, erläutet die Kommission in ihrer Mitteilung. Kampanien zählt zu den ärmsten Regionen Italiens, in der erhebliche Unterbeschäftigung herrscht. Im Rahmen des Vorhabens sollen rund 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
Auch in Deutschland hat man vor etlichen Jahren unter Federführung der Firma Bosch versucht, eine Displayfertigung hochzuziehen. Nachdem erkleckliche Summen in die Evaluierung geflossen und Pilotanlagen entwickelt worden waren, platzte der Traum von einer deutschen Displayfertigung und das Projekt wurde Knall auf Fall eingestellt. Seit einiger Zeit setzt die hiesige Flachdisplay-Gilde stattdessen auf organischen Displays und möchte in Europa OLEDs fertigen. Bei den OLEDS sind die Claims noch nicht so sehr abgesteckt, wie es seinerzeit – und heute – im LCD-Bereich der Fall ist. Außerdem hat Deutschland auf dem Gebiet der organischen Displays wertvolle Entwicklungsarbeit geleistet und leistet sie auch noch heute – unter anderem im sächsischen Silicon Valley. (uk)