Wissenstest bei Technology Review
In der aktuellen Ausgabe von Technology Review stellen 20 Top-Forscher insgesamt 50 Fragen, die jeder beantworten können sollte. Wer das bei der Mehrzahl schafft, dürfte bei den meisten wissenschaftlichen Debatten kompetent mitreden können.
Vertreter von Wissenschaft und Wirtschaft betonen immer wieder, dass fehlende naturwissenschaftliche Bildung für die Gesellschaft teuer werden kann. Doch wie gut oder schlecht ist es um die wissenschaftliche Bildung wirklich bestellt? Technology Review lädt in der aktuellen Ausgabe zum großen Wissenstest ein: 20 Top-Forscher stellen 50 Fragen, die jeder beantworten können sollte. Das neue Heft ist ab Donnerstag (17. April) am Kiosk erhältlich oder kann hier online portokostenfrei bestellt werden.
"Wenn wir nicht mehr Kinder von Technik und Wissenschaft begeistern können, werden wir einen Fachkräftemangel bekommen, der das Wachstum unserer Wirtschaft begrenzt", sagt Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft: "Niemand würde sich öffentlich damit brüsten, dass er keine Ahnung hat, was Goethe geschrieben hat. Es gilt aber als schick zu betonen, dass man in Mathematik ganz schlecht war."
Die Pisa-Studien geben ihm zumindest teilweise recht: In der 2006er-Untersuchung zur naturwissenschaftlichen Kompetenz lagen die deutschen 15-Jährigen zwar über dem Durchschnitt aller teilnehmenden Staaten. "Allerdings gibt es in Deutschland einen erheblichen Anteil von hochkompetenten Jugendlichen (in einer Größenordnung von 44 Prozent), der sich relativ wenig für Naturwissenschaften interessiert", schreibt das Pisa-Konsortium.
"Welches Wissen wichtig ist, hängt davon ab, welche Bildung der Entscheidungsträger hat. Schauen Sie sich doch die Ausbildung der Politiker an – da sind zunehmend etwa Politologen darunter, die gar keine Berufsalternative zur Politik mehr hätten", sagt der Bochumer Bildungspsychologe Rüdiger Hossiep, "auch viele technikaffine Unternehmen wurden früher von Fachleuten, heute von Kaufleuten geführt. Mein Eindruck ist nicht, dass das den Firmen unbedingt immer gutgetan hat."
Einigkeit herrscht immerhin darüber, dass Wissen ein wichtiger Wert innerhalb der Bildung ist."Wer viel weiß, kann auch neues Wissen schneller generieren, weil es mehr Andockstellen dafür gibt", verdeutlicht Reinhold Jäger, Professor am Zentrum für empirische pädagogische Forschung der Universität Koblenz-Landau. Bildung sei "eine Art Mustererkennung", die den Blick auf das Wesentliche richte. Hossiep sieht das ähnlich: "Wissen ist investierte Intelligenz. Lesen Sie mal ein Grundlagenwerk im zweiten und im achten Semester – im achten Semester werden Sie zehnmal so viel mitnehmen, weil sie es besser einbauen können." Deshalb warnt Hossiep auch vor der Plattitüde, dass es reiche zu wissen, wo man etwas nachschlagen könne: "Das ist fundamental falsch. Mit dem Internet kann ich nichts anfangen, wenn ich kein Netz habe, an dem ich anknüpfen kann."
Was Hossiep bei seinen Studien regelmäßig besonders erschreckt, ist die schlechte Selbsteinschätzung der Teilnehmer. Mindestens das soll der in dieser Ausgabe von Technology Review vorgestellte Wissenstest zu ändern helfen: 20 herausragende Wissenschaftler – Institutsleiter, Vorsitzende von Fachverbänden und ein Nobelpreisträger – stellen Fragen aus ihrem jeweiligen Gebiet, die ihrer Ansicht nach auch Fachfremde beantworten können sollten. Wer das bei der Mehrzahl der insgesamt 50 ausgewählten Fragen tatsächlich schafft, dürfte bei den meisten wissenschaftlichen Debatten kompetent mitreden können. (wst)