Ericsson gibt sich optimistisch und verschärft den Sparkurs
Der Chef des weltgrößten Telecom-Ausrüsters sieht auch mittel- und langfristig gute Aussichten für die Kommunikationsindustrie. Angesichts der Wirtschaftskrise verschärft er aber den Sparkurs bei Ericsson.
Der weltgrößte Telekomausrüster Ericsson kann der Wirtschaftsflaute noch trotzen. Dank einer soliden Nachfrage und positiver Währungseffekte verbuchten die Schweden im vierten Quartal ein kräftiges Umsatzplus. Die Gewinne wurden jedoch durch Kosten für den laufenden Unternehmensumbau geschmälert. Gleichzeitig kündigte Unternehmenschef Carl-Henric Svanberg am Mittwoch in Stockholm an, den Sparkurs des Unternehmens noch verschärfen zu wollen.
Der Umsatz von Ericsson stieg im Schlussquartal des Geschäftsjahrs 2008 im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 23 Prozent auf 67,0 Milliarden schwedische Kronen (6,17 Milliarden Euro). Der Überschuss schrumpfte allerdings belastet vom anhaltenden Konzernumbau um 31 Prozent auf 3,9 Milliarden Kronen (359 Millionen Euro). Im Gesamtjahr 2008 kletterten die Umsätze um 11 Prozent auf 208,9 Milliarden Kronen (19,24 Milliarden Euro). Der Gewinn sackte aber auch für das gesamte Geschäftsjahr ab: 48 Prozent weniger blieben unter dem Strich in Ericssons Kasse, 11,3 Milliarden Kronen (1,04 Milliarden Euro) betrug der Nettogewinn.
Die Sparte für Netzwerkinfrastruktur konnte den Umsatz im vierten Quartal um 22 Prozent auf 45,8 Milliarden Kronen (4,22 Milliarden Euro) steigern; für das Gesamtjahr kletterte der Umsatz hier um 10 Prozent auf 142 Milliarden Kronen (13,08 Milliarden Euro). Alleine mit der Einrichtung neuer Netzwerke erreichte Ericsson im Quartal ein Plus von 17 Prozent (7,6 Milliarden Kronen oder 700 Millionen Euro), im Gesamtjahr wuchsen die Verkäufe neuer Netzwerke um 16 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro (1,98 Milliarden Euro).
"Wir hatten eine solide Entwicklung im Jahr 2008", kommentierte Svanberg die Ergebnisse seines Unternehmens. Er zeigte sich auch mittel- und langfristig überzeugt, weiter gute Geschäfte machen zu können: "Kommunikation ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Es spielt eine sehr wichtige Rolle bei der Entwicklung einer nachhaltig wirtschaftenden und florierenden Gesellschaft. Die positiven, langfristigen Aussichten der Industrie bleiben bestehen." Auch wenn sich die Wirtschaftskrise weiter ausbreite, glaubt Svanberg nicht an massive Auswirkungen auf die Mobilfunkbranche, da die meisten Netzbetreiber sich in einer komfortablen finanziellen Lage befänden.
Nichtsdestotrotz hält es Svanberg für notwendig, den Konzern weiter zu verschlanken – was auch einigen Mitarbeitern den Arbeitsplatz kosten wird. Insgesamt sollen im Rahmen der Kostenreduzierungen 5000 Arbeitsplätze gestrichen werden, rund 1000 davon in Schweden; unter anderem sollen die Anzahl der Berater sowie Stellen für Zeitarbeiter reduziert werden. Insgesamt sollen die Restrukturierungskosten 6 bis 7 Milliarden Kronen (553 bis 645 Millionen Euro) betragen und in jährlichen Einsparungen von 10 Milliarden Kronen (921 Millionen Euro) resultieren. (jk)