Schwimmende MĂĽhlen auf offener See

An Land und vor den KĂĽsten werden Windparks zunehmend ungern gesehen. Mehrere Start-ups wollen die Technologie nun weit ins Meer verbannen.

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Die Windkraft erlebt in den letzten Jahren einen enormen Boom: Die Quelle emissionsfreier Energie hat sich längst als leistungsfähig und zuverlässig erwiesen. Allerdings gibt es immer öfter Proteste von Naturschützern und Anrainern, wenn die Mühlen in bewohntem Gebiet oder in küstennahen Offshore-Regionen aufgebaut werden – der Eingriff in Landschaft und Natur, der mit den Anlagen einhergeht, ist heiß umstritten. Mehrere junge Firmen versuchen deshalb nun, das Problem zu umgehen: Sie arbeiten an schwimmfähigen Windkraftplattformen, die sich auf offener See installieren lassen, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Viele Windpark-Betreiber hätten nichts dagegen. Sie würden ihre Mühlen schon länger gerne in tiefem Wasser aufstellen – in Bereichen, die mehr als durchschnittlich 32 Kilometer von der Küste entfernt liegen. Der Grund: Dort bläst der Wind besonders stark und stetig. Doch das Anlegen von Fundamenten für Windräder ist in Gewässern, die tiefer als 20 Meter sind, derzeit noch viel zu teuer. Die Lösung könnten deshalb die schwimmenden Windkraftanlagen sein.

Erste Demonstrationssysteme stehen bereit. Sie orientieren sich stark an Technologieansätzen, die aus der Offshore-Öl- und Gasförderung kommen. Im Dezember startete das niederländische Start-up Blue H Technologies den Betrieb einer Testplattform an der italienischen Südküste; mit zusätzlichen Windturbinen will man die Idee bald im Ozean vor dem US-Bundesstaat Massachusetts testen. Geht alles glatt, könnte ein vollständiger Windpark bereits im nächsten Jahr in europäischen Gewässern folgen. Auch in Norwegen arbeiten Neugründungen an der Technologie. Das Start-up SWAY hat im vergangenen Herbst 29 Millionen Dollar an Investmentkapital eingeworben und will seinen Prototyp einer schwimmenden Windkraftanlage bis 2010 fertigstellen.

Haben Blue H Technologies und SWAY Erfolg, könnte dies zum Anzapfen enormer Energieressourcen führen. Eine Analyse, die das amerikanische Energieministerium zusammen mit General Electric und der lokalen US-Förderbehörde Massachusetts Technology Collaborative vorlegte, ging bereits 2006 davon aus, dass das Offshore-Windpotenzial an der Atlantik- und der Pazifikküste der Vereinigten Staaten größer ist, als die Gesamtleistung der aktuell installierten Kraftwerke in dem Land. Dazu wären allerdings riesige schwimmende Windparks notwendig.

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(bsc)